Vertrauen

Politikberater Thomas Hofer über die echte Währung in Krisenzeiten.

Erstellt am 24. November 2021 | 05:34

Immunisierten geht zunehmend das G’impfte auf. Radikalisierte Ungeimpfte ziehen durch die Wiener Innenstadt und ergeben sich immer ab-struseren Verschwörungsmythen. Der selbst erkrankte Chef der FPÖ propagiert Entwurmungs- als Heilmittel. Auf Intensiv- wie Normalstationen vieler Krankenhäuser spielen sich derweil tragische Szenen ab, die man im Österreich des 21. Jahrhunderts nicht für möglich gehalten hätte.

Die Regierung schlingert nach Wochen der Untätigkeit doch noch in Richtung der Kombinationstherapie Lockdown und Impfpflicht. Mit dem doppelten Wortbruch will man wenigstens den Furor der Geimpften begrenzen.

Wer angesichts dieser Beschreibungen leicht an der Verfasstheit der Republik zu zweifeln beginnt, muss nicht zwingend Pessimist sein. An der Staats- und so mancher Landesspitze herrscht mitten in der Krise jedenfalls ein gefährliches Vakuum. Ein Vakuum, das wohl nur von vernunftbegabten Bürgerinnen und Bürgern beseitigt werden kann.

Diese sollten sich nicht der puren Emotion hingeben, trotz Polarisierung weiter Brücken bauen und auf das setzen, was in dieser Pandemie herausragend war: Etwa die Kraft vieler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die in weniger als einem Jahr wirksame Impfstoffe aus dem Hut gezaubert haben und deren Prognosemodelle keine schlechte Richtschnur waren. Oder auf das Personal in den lebenswichtigen Bereichen – es ist zwar bis zur Erschöpfung ausgelaugt, hält aber dennoch dagegen.

Was wir brauchen, ist Vertrauen. Wenn schon nicht in die Politik, dann in die Kompetenz wesentlicher Teile der Gesellschaft.