Wohin geht die FPÖ?. Politikberater Thomas Hofer über den Richtungsstreit bei den Freiheitlichen.

Von Thomas Hofer. Erstellt am 28. April 2021 (05:47)

Norbert Hofer ist ein verdienter Wahlkämpfer der FPÖ. 2016 hielt er ein ganzes Jahr (fast) auf Augenhöhe mit Alexander Van der Bellen im Präsidentschaftswahlkampf durch. 2019 stellte er sich als Spitzenkandidat zur Verfügung, als sich die Blauen nach Ibiza ihre erwartbare Niederlage abholten. Dankbarkeit ist allerdings in der Politik keine Kategorie. Mit seinem für FPÖ-Verhältnisse verbindlichen Stil wirkt Hofer aktuell wie aus der Zeit gefallen.

Seine Position des formalen Parteichefs geht mit der Funktion des Dritten Nationalratspräsidenten auch nicht zusammen. Und seine Haltung bei Corona ist zwar vernünftig, passt aber so gar nicht zu Herbert Kickls aggressiver Wähler-Rückholaktion aus dem ÖVP-Lager. Der Klubchef setzt auf Corona-Verdrossene und hat ab Sommer, wenn die ökonomischen Pandemiefolgen noch spürbarer werden, die Chance, die FPÖ wieder auf mittlere Stärke zu hieven.

In die Regierung schafft er es mit seinem Kurs wohl nicht. Aber das ist aktuell keine freiheitliche Priorität. Kickls Kurs stellt sich nur der oberösterreichische Landesparteichef Manfred Haimbuchner entgegen. Der hat diesen Herbst eine Wahl zu schlagen, steht für eine Regierungsbeteiligung (mit der ÖVP) und sieht auch wirtschaftspolitisch manches anders als Herbert Beinhart.

Hofer ist in diesem Konflikt bloß vorgeschoben. Die Richtungsdiskussion in der FPÖ aber ist trotz anderer Beteuerungen sehr real. Ihr Ausgang wird auch darüber entscheiden, welchen Kurs der Auseinandersetzung (und auch der möglichen Koalitionsbildungen) die Republik in den kommenden Jahren nimmt.