Mein Politisches Tagebuch: 30. August bis 2. September. Hubert Wachter, Publizist: Was abseits der Hysterie des Wahlkampfes viel heikler und alarmierend ist.

Von Hubert Wachter. Erstellt am 05. September 2017 (03:00)
NÖN

Mittwoch, 30. August

Zauberwort „Leadership“. Gallup-Studienleiter Günter Haunlieb ließ dieser Tage mit bemerkenswerten Daten aufhorchen: Jeder dritte Österreicher (28 Prozent) sei mit dem Politik-System unzufrieden, satte 38 Prozent wollen eine/n „starke/n Mann/Frau“ mit den Eigenschaften ehrlich, aufrichtig, durchschlagskräftig, seriös und abseits von bremsender Parteipolitik reformfähig an der Republik-Spitze. Fazit: Entscheidungsfähigkeit, also Leadership sind offenbar dringlicher denn je. Wobei Gallup dafür Sebastian Kurz positiver bewertet als Christian Kern und Heinz Christian Strache.

Donnerstag, 31. August

Alarm ums Bargeld. Kaum 40 Tage mehr bis zur Nationalratswahl – da kommen positive wirtschaftspolitische Meldungen besonders von Franz Fischlers Europaforum Alpbach wie

NOEN, Bruckner
Erste-Chef Andreas Treichl erwartet Ende des Bargelds.

gerufen. Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny korrigierte Österreichs Wachstum (BIP) auf erstaunliche 2,75 Prozent nach oben, und AMS-Chef Johannes Kopf vermeldete den Rückgang auf nur mehr 375.000 Arbeitslose (-3,6 Prozent) und dieser positive Trend werde bis 2021 anhalten, weil bis dahin 228.000 neue Jobs entstehen würden. So weit so freudig die Wahlkampf-Message. Gleichzeitig meldete sich Erste-Bankchef Andreas Treichl, auch in Alpbach, mit einer anderen, aber umso deutlicheren Warnung zu Wort: Er erwarte das Ende des Bargelds! Definitiv. Da sei der Zug längst abgefahren. Er selbst habe damit jedoch gar keine Freude.

Europaweit wird tatsächlich längst hinter den Tapetentüren der Finanzwirtschaft längst diskutiert, dass es damit nach den Wahlen in Deutschland und Österreich schon diesen Herbst losgeht: Die EU bereite in ihrer Brüsseler Zentrale für 2018 längst die unionsweite Einschränkung von Barzahlungen in Etappen vor, so ist der 500-Euro-Schein schon abgeschafft, der 200-Euroschein wird folgen. Plus Bargeld-Obergrenzen. Folge: Am Ende des Tages eine Welt ohne Bargeld, wo Banknoten und Münzen wertlos sind, Bezahlungen nur mehr mit der Plastikkarte. Dies indes bedeutete die
totale Kontrolle jedes Kontoinhabers. Der gläserne Mensch, George Orwell lässt grüßen. Die Alarmglocken läuten zu Recht immer heftiger.

Frei., Sa., 1./2. September

Unabschätzbares. Es blieb dem italienischen Wochenmagazin „Tempi“ und dessen Autor Roberto Volpi vorbehalten, starke Zahlen des Bevölkerungsrechners der UNO zu veröffentlichen: Am Ende des Jahrhunderts würden 11,3 Milliarden Menschen die Erde bevölkern, davon 30 Prozent über 70-Jährige, aber nur 13 Prozent Kinder und Jugendliche. Die Lebenserwartung steige weltweit auf 83 Jahre (gedrückt durch Afrika), und in den hoch entwickelten Ländern gar auf 95 – im Schnitt. Was eine weltweit unglaubliche Herausforderung bei Altersversorgung und Finanzierung mit sich bringt.

Apropos Afrika – auch die jüngste Sicherheitsanalyse des Bundesheeres kommt zu beunruhigenden Schlüssen: Durch dort anhaltend schlechte Lebensgrundlagen würden die Flüchtlingsströme nach Europa noch mindestens 20 Jahre anhalten. Und zwar mit unabschätzbaren Folgen. In Relation zu all dem erscheint Österreichs Wahlkampf wie Kinderjause ...