Raunzen einstellen. Über den Einstieg des Spielervermittlers Frank Schreier beim SKN St. Pölten.

Von Bernhard Schiesser. Erstellt am 24. Juni 2020 (02:09)

Die Geschichte des St. Pöltner Fußballs ist lang. Und reich an Skandalen. Negativer Höhepunkt war Ende des vorigen Jahrtausends die Geschichte rund um eine Investorengruppe, die in den finanziell angeschlagenen VSE Milliarden (Schilling) pumpen sollte. Die St. Pöltner saßen einem Hochstapler auf. Aus „Flash St. Pölten“, so der geplante neue Vereinsname, wurde nichts. Wenig später folgte der Konkurs.

Der geneigte St. Pölten-Raunzer – und davon soll es laut SKN-Vorstand Thomas Nentwich mehr geben als in Wien – will alarmierende Parallelen zur Gegenwart erkennen. Manche sehen in den Vorstandsumbildungen und dem Engagement von Frank Schreier eine feindliche Übernahme des Klubs. Zugegeben, die Geheimniskrämerei rund um die Generalversammlung befeuerte dieses Unbehagen.

Schreier allerdings ist weder ein Hochstapler noch eine leere Worthülse, die aus dem Nichts auftaucht. Der Salzburger ist seit mehr als zwei Jahrzehnten als Spielerberater im Geschäft, kennt den heimischen Kick wie seine Westentasche und hat einen durchaus passablen Ruf in der Branche.

Okay, es schmeckt halt einigen nicht, dass ein nicht „Hiesiger“ den St. Pöltnern erklärt, wie es geht. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass viele Versuche, Stadt und Land im und hinter dem Klub zu vereinen, fehlschlugen.

Und jetzt? Jetzt haben jene, denen der SKN im Entferntesten am Herzen liegt, nur die Möglichkeit, dem „Schreier-Projekt“ eine Chance zu geben. Im Fußball ist Erfolg ohnehin recht schnell ables- und überprüfbar. Und für den St. Pöltner Volkssport Raunzen wäre im Falle des Scheiterns noch genug Zeit.