Religiöses Grundwissen. Über Glaubens- und Wissensvermittlung.

Von Michael Proházka. Erstellt am 14. Oktober 2020 (05:35)

In dieser Kolumne will ich über ein Faktum nachdenken, das mich schon sehr lange beschäftigt. Ich gestehe es gerne ein: In meiner Freizeit schaue ich mit Vorliebe Quizsendungen, kann so mein Allgemeinwissen überprüfen und lerne oft noch etwas hinzu, vor allem aus den Sparten, die mir nicht so geläufig sind wie Sport, moderne Musik oder Filme.

Worüber ich mir aber schon lange Gedanken gemacht habe, ist das auffällige Fehlen an religiösem Wissen der Kandidaten und Kandidatinnen, die dann oft die einfachsten Fragen nicht beantworten können. Da wird dann nur allzu oft herumgerätselt und das Nichtwissen eingestanden.

Natürlich ist es für mich als „einem vom Fach“ beinahe selbstverständlich, solche Fragen mit Leichtigkeit zu beantworten. Mir ist bewusst, dass es für einen Religionspädagogen eine Herausforderung darstellt, eine ausgewogene Balance zwischen Wissensvermittlung und religiöser Erfahrung im Unterricht zu vermitteln. Auch ich bin nicht einmal der Versuchung erlegen, zugunsten des Gespräches mit den Schülern und Schülerinnen hier „etwas tiefer zu schürfen“!

Man will ja kein Langweiler sein und Glaubensvermittlung ist und bleibt eine große Herausforderung. Aber nichts hindert einen daran, im Laufe seines Lebens gescheiter zu werden! Ich erinnere mich noch sehr gut, wie der im Jänner 2020 verstorbene Publizist und Religionssoziologe Adolf Holl, ein suspendierter katholischer Priester und als „Kirchenrebell“ weithin bekannt, in einem Interview gemeint hatte, dass ein religiöses Grundwissen schon deshalb nötig sei, damit wir nicht eines Tages vor den großen und bewegenden christlichen Kunstwerken stehen und diese nicht mehr verstehen!

Religiöses Wissen ist also ein Teil des Allgemeinwissens, das auch in Zeiten von Wikipedia und Google nichts von seiner Bedeutung verloren hat. Mein verehrter Großvater schrieb mir einmal als Widmung in ein Buch: „Wissen bildet.“ Und es ist tatsächlich die Allgemeinbildung, die den Menschen erzieht und nicht nur zu einem „Fachidioten“ werden lässt.