Sebastian im Glück. Über eine unverhoffte Entlastung für den Kanzler.

Von Thomas Hofer. Erstellt am 20. Januar 2021 (05:46)

Sebastian Kurz ist ein sehr guter Kommunikator. Der Kanzler ist auch ein gewiefter Stratege. Was Personalagenden, etwa bei der Besetzung von Ministerien, angeht, war bisher – freundlich formuliert – Luft nach oben. Was zählte, war die Zugehörigkeit zum Netzwerk um den Kanzler. Bedingungslose Loyalität war Voraussetzung. Sachkenntnis galt vielleicht als nettes Beiwerk, gab aber kaum den Ausschlag.

Die hochnotpeinliche Plagiats-affäre um Christine Aschbacher, mittlerweile Ex-Arbeitsministerin, war auch ein Einschlag im Universum von Kurz. Denn angesichts der dummdreisten Vorgangsweise, die Frau Aschbacher auch noch bei ihrem stillosen Abgang an den Tag legte, hätte man sehr wohl die Frage diskutieren müssen, wie sie eigentlich in ihr Amt gespült worden war.

Der Kanzler allerdings drehte das Prinzip des Grimm‘schen Märchens vom „Hans im Glück“ um. In einer absoluten Notsituation tauschte er die von Beginn weg überforderte Ministerin gegen einen allseits anerkannten Experten, der auch noch – so lassen es seine ersten Auftritte vermuten – ein gerüttelt Maß an politischem Verständnis mitbringt. Heiklen Fragen wich der Neo-Minister bislang recht geschickt aus. Martin Kocher, seit vergangener Woche Arbeitsminister, ist ein Goldgriff. Mit ihm konnte Kurz nicht nur von der bisherigen Personalauswahl ablenken. Er hat sich damit auch wirtschaftspolitische Kompetenz eingekauft.

Ein Atout, das Regierung wie ÖVP bisher vermissten und das sie in einer sich weiter eintrübenden Arbeitsmarktlage noch bitter nötig haben werden.