Soll das Strafmündigkeitsalter auf 13 Jahre gesenkt werden?. Diskutieren Sie mit und schreiben Sie uns Ihre Meinung als Kommentar im Forum

Erstellt am 25. August 2014 (08:48)
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PRO: Gerhard Wittmann, Jugendrichter am Landesgericht Krems

Die Straftäter werden immer jünger, die Taten immer brutaler und schwerwiegender. Waren es früher zumeist Teenager im Alter zwischen 16 und 18 Jahren mit Bagatelledelikten (etwa alkoholbedingte Streitereien mit Drohungen), sind es heute 14- bis 15-Jährige, manchmal sogar noch jüngere Straftäter, denen schwere Verbrechen vorgeworfen werden: Raub- und Sexualdelikte nehmen zu. In Österreich kann man erst im Alter von 14 Jahren strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden. Ich bin dafür, zur präventiven Abschreckung die Strafmündigkeit herabzusetzen. Läuft ein noch nicht strafmündiger Täter frei herum, hat das eine verheerende Signalwirkung. Dringend sollte eine sogenannte Anhaltung – nicht unbedingt Haft im Gefängnis – Strafunmündiger im Jugendgesetz verankert und sinnvolle Regelungen gefunden werden.

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KONTRA: Sonja Fragner, Rechtsanwältin, Krems

Wenn Jugendliche Straftaten begehen, glaube ich nicht, dass sie sich immer der Möglichkeit einer gerichtlichen Strafe bewusst sind. Problematisch sehe ich die zunehmende Gewaltbereitschaft junger Menschen. Hier liegt ein gesellschaftspolitisches Thema vor. Handyraub, Stalking und Mobbing nehmen massiv zu. Hier sollte man fragen, was Jugendliche zu diesen Taten treibt. Bestrafen und Wegsperren mögen fallweise unumgänglich sein, beseitigt aber nicht die Ursachen, die zu Gewalttaten geführt haben. Irgendwann ist die Strafe verbüßt, und dann sind die Schwierigkeiten im alltäglichen Leben oft nur noch größer und weitere Gewalt ist zu erwarten. Zur Vermeidung von Straftaten sind Eltern, Schulen, die gesamte Gesellschaft gefordert. Eine Herabsetzung der Altersgrenze löst meiner Meinung nach das Problem nicht.