Als Kipchoge lief …. Über den Marathon-Rekordlauf in Wien.

Von Bernhard Schiesser. Erstellt am 15. Oktober 2019 (02:24)

Der verblichene Samstagvormittag wird sich bei vielen ins Gedächtnis einbrennen. Der Kenianer Eliud Kipchoge lief als erster Mensch einen Marathon unter der Zwei-Stunden-Marke. Bis sich dieser „Das-Ist-Jetzt-Etwas-Großes-Moment“ im Autor dieser Zeilen ausbreitete, dauerte es eine Weile, denn am Anfang war die Skepsis. Rekordversuch? Okay.

Laborbedingungen mit Dutzenden Tempomachern, neu asphaltierter Strecke etc.? Naja. Hätte sich das Ganze nicht in Wien abgespielt, sondern in Warschau, wäre höchstwahrscheinlich nach den ersten Eindrücken Schluss gewesen und das Ergebnis hätte im Laufe des Tages das Smartphone vermittelt. Weil da aber vertraute Bilder der Umgebung waren, blieb man entscheidende Augenblicke länger picken. Ah, der Praterstern! Ob der Herr Kipchoge wohl jene Spur trifft, die ihn wieder auf der Hauptallee ausspuckt?

Wer dort schon mal mit dem Auto fuhr, weiß gut – fix ist das nicht! Und dann war da noch die fachlich hochkompetente Begleitung von ORF-Kommentator Dietmar Wolff und Experte Michael Buchleitner. Tja, und irgendwann passierte es – das Ding hatte einen erfasst. Da wich sogar der antrainierte Doping-Misstrauensgedanke. Da war nur noch der Sportler, dessen faszinierende Leistung und das Happy End. Trotz inflationärer Menge, trotz wiederkehrender desillusionierender Störfeuer – (Fernseh-)Sport ist nach wie vor im Stande, etwas mit einem zu machen. Sogar an einem Samstagvormittag, wenn man es am wenigsten erwartet.