Doping geht tiefer. Bernhard Schiesser über einfache Antworten auf komplexe Fragen.

Von Bernhard Schiesser. Erstellt am 12. März 2019 (02:20)

Der Mensch neigt dazu, sich mit einfachen Antworten zufriedenzugeben. Ja, er giert richtiggehend danach. Im jüngst aufgeflammten Dopingskandal gibt es sie, die einfachen Antworten, die vermeintlich gerade Linie zwischen Vergehen und Schuld.

Dass Johannes Dürr, Dominik Baldauf und Max Hauke Schuld an ihrem und am Ungemach sind, das sie dem Sport beifügten, ist nicht von der Hand zu weisen. Und trotzdem greift diese Antwort ein wenig kurz.

Mit den dopenden Sportlern auch die Verbandsspitze und allen voran Peter Schröcksnadel an den Pranger zu stellen, ist nicht so ganz verkehrt. Der ÖSV-Präsident fordert Erfolge. Und das nicht zu knapp. Wie die zustande kommen, interessiert Schröcksnadel nicht oder zumindest nicht genug. Wer aber glaubt, mit dem 77-Jährigen könne auch das Doping-Thema entsorgt werden, der irrt, und zwar gewaltig.

Der mächtigste Sportfunktionär Österreichs ist vielleicht kein Rädchen, aber doch ein Rad in der Maschinerie Hochleistungssport. Und als Solches ist er ein Getriebener. Was soll er denn sonst fordern, außer Erfolge? Saubere Niederlagen?

Die Antwort auf diese Frage führt uns zum gar nicht einfachen Teil in dieser Thematik. Misserfolge haben im Sport wie abseits des Sports keinen Platz. So etwas wie eine Kultur des Scheiterns gibt es nicht. Schneller, höher, weiter – so sind wir gepolt. Doping ist ein grässlicher Auswuchs dieser Entwicklung.

Und nur zur Klarstellung: Das ist ein Erklärungsversuch, aber keine Entschuldigung für Doper und ihre Handlanger.