Früh-Mahn-System. über den von Sanel Kuljic angestoßenen „Wettskandal light“.

Von Bernhard Schiesser. Erstellt am 17. September 2019 (02:23)

Sanel Kuljic war einer der Hauptakteure im Wettskandal, der den österreichischen Fußball 2013 überrollte. Der ehemalige Teamstürmer wanderte wegen schweren Betrugs, Bestechung und Nötigung ins Gefängnis. Wieder auf freiem Fuß holten den 41-Jährigen die Schatten der Vergangenheit ein. Zumindest behauptete er das gegenüber der „Kronenzeitung“. In Österreich sollen weiterhin Spiele manipuliert worden sein – konkret zwei Partien mit Mattersburger Beteiligung.

Ist der österreichische Fußball damit mit dem nächsten Wettskandal konfrontiert? Nein. Zumindest noch nicht. Kuljic wird sich schwertun, seine Behauptungen mit Beweisen zu belegen. Das „Früh-Warn-System“, ein elektronisches Überwachungs-Tool zur Ortung auffälliger Wetteinsätze, schlug bei den betreffenden Spielen nicht an. Und – noch entscheidender – es fehlt im Unterschied zu 2013 der Kronzeuge. Damals packte mit Dominique Taboga ein bestochener Spieler aus. Erst dadurch waren Anklagen und Verurteilungen möglich.

Jetzt erinnert die Sache eher an einen ertappten Dopingsünder, der behauptet, dass alle anderen auch bzw. weiter dopten. Auch die Ankündigung, über das Erlebte ein Buch schreiben zu wollen, erhöht nicht gerade die Glaubwürdigkeit von Kuljic, sondern erinnert an verkaufsfördernde PR.

Und trotzdem bleibt ein schaler Beigeschmack. Alleine der Gedanke daran, dass der Volkssport Nummer eins Spielwiese für Betrüger sein könnte, macht fassungslos. Und er sollte zur Wachsamkeit mahnen.