Fußball in Geiselhaft. über die fünf Spielertauschoptionen im Amateurkick, die es praktisch nicht gibt.

Von Bernhard Schiesser. Erstellt am 05. August 2020 (04:06)

Es gibt viele Gründe, warum sich der Fußball im Laufe der Jahrzehnte global zur bedeutendsten Sportart aufschwang. Einer davon ist jener, dass er auf der ganzen Welt nach gleichen Regeln gespielt wird. Andere Branchen (Basketball, American Football, Eishockey...) sind da inkonsequenter. Der Hansi Stinkenbrunner schießt in der 2. Klasse Hirschenau mit dem selben Ball nach selben Regeln auf ein exakt gleich großes Tor, wie es Messi in Barcelona macht. Das hat freilich Reiz und Charme.

Dass über die Einführung des Video-Beweises so lange gestritten wurde, liegt zum Teil auch hier begründet. Der VAR verändert das Spiel und rückt den Profisport ein Stück weiter von den Amateurligen weg. Und das ist schlecht.

Dass die Regelhüter des Fußballs aufgrund der coronabedingt gedrängten Terminpläne fünf Spielerwechsel zuließen und das auch bis auf Widerruf so bleiben wird, ist sinnvoll. Und es ist konsequent, auch im Unterhaus die fünf Wechsel zuzulassen. Viele monieren aber zurecht, dass damit einhergehend auch die Anzahl der Kicker auf dem Spielbericht angepasst gehörte. Derzeit dürfen 16 Kicker auf‘s „Blankett“, schöpft ein Trainer alle Wechseloptionen aus, müsste er also auch den Ersatzkeeper tauschen.

Warum das nicht gemacht wurde? Weil viele Klubs mit Kickern Prämien vereinbart haben, sobald sie im Kader aufscheinen. Ein 17-Spieler-Spielbericht würde jetzt nachträglich nicht kalkulierte Tatsachen schaffen. Eh verständlich irgendwie, aber auch entlarvend. Anstatt einem Spieler mehr – im Idealfall jung und hungrig – die Chance zu geben, in die „Erste“ reinzuschnuppern, bleibt der Kick in Geiselhaft des Geldes.