Henne-Ei-Problem. Bernhard Schiesser über die Krise des Ehrenamts im Amateurfußball.

Von Bernhard Schiesser. Erstellt am 22. Januar 2019 (01:54)

Vor zwei Wochen war an dieser Stelle zu lesen, dass viele Klubs des NÖ-Fußballunterhauses längst erkannt haben, dass es nur bedingt Spaß macht, auswärtige Spieler mit gut gefüllten Geldkuverts in den Ort zu locken.

Das zu ändern braucht einen Qualitätssprung in Sachen Nachwuchsarbeit. Und der kann nur mit einer guten Basis an Vereinsfunktionären gelingen.

Und genau hier haben wir ein Henne-Ei-Problem. Weil – wie blöd – das Ehrenamt gerade in einer tiefen Krise steckt. Immer weniger Menschen finden sich, die kostenlos, einem gemeinschaftlichen Zweck dienend ihre Freizeit opfern. Dass in den vergangenen Monaten immer mehr NÖ-Klubs zusperrten – zuletzt Gebietsligist St. Georgen – lag ausnahmslos immer an der fehlenden Funktionärsbasis.

Aber woher kommt’s? Wahrscheinlich nimmt die Zahl der Egoisten und Nesthocker im Zeitalter von Social Media & Co. tatsächlich zu. Hausgemacht ist die viel zitierte Krise des Ehrenamts aber schon auch. Zumindest im Fußball.

In einem Klub, in dem der Großteil der Spieler gut bezahlt wird, halten irgendwann auch die Helfer am Spielfeldrand die Hand auf. Oder sie bleiben eben aus. Leichter fällt das Bierzapfen in der Kantine, wenn draußen auf dem Rasen der eigene Sohn dem Ball nachläuft. Das alles muss man als Vereinsvorstand bedenken. Oder man hätte es bedenken sollen. Damals, als noch klar war, wer die Henne ist und wo sie ihre Eier hinlegt. Bei vielen Klubs begannen die Eier zu faulen. Das zu ändern ist mühsam, aber möglich.