Kein Theaterdonner. Über den neuen Weg von Dominic Thiem.

Von Wolfgang Wallner. Erstellt am 24. April 2019 (02:33)

Längst ist er kein Talent mehr, kein kleiner Bub am Weg nach oben. Dominic Thiem ist 25 Jahre alt, ein gestandener Top-Ten-Mann im Tennis-Zirkus. Da ist’s nur logisch und legitim, dass er sich sein Umfeld nach seinen Wünschen und Bedürfnissen organisiert. Auch ohne Günter Bresnik. Was in der „Entwicklungsphase“ gepasst hat, muss nun, wo’s für Thiem um den Schritt ganz nach oben, um den Traum vom Grand-Slam geht, nicht mehr passen. Selbst wenn das die Trennung vom langjährigen Mentor, Weggefährten und Vater des Erfolgs bedeutet.

Dass die „Scheidung auf Raten“ ohne großen Theaterdonner über die Bühne gegangen ist, spricht für die Professionalität von Thiem wie auch von Günter Bresnik. Der Innermanzinger ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass sich Reisende nicht aufhalten lassen. Und er ist lange genug im Tennis-Business, dass er niemandem mehr etwas beweisen muss. Da nimmt man’s ihm ab, wenn er betont, er „sei nicht eitel“, ihm gehe es um Thiem. Und darum, dass der Niederösterreicher seinen Weg an die absolute Spitze macht, vielleicht nach Thomas Muster wieder einen Grand-Slam-Titel holt.

Bresnik kann sich die Lockerheit leisten. Schließlich partizipiert er weiterhin an den Erfolgen seines Schützlings. Denn nur sportlich hat Thiem einen Schluss-Strich gezogen, wirtschaftlich geht man (vorerst) weiter gemeinsame Wege. Wenn Thiem mal in Roland Garros den Pokal in die Höhe stemmt, weiß Bresnik: Ohne mich stünde er nicht dort.