Teurer Abstieg. Über Überlegungen einer „geschlossenen Liga“ ohne Absteiger.

Von Bernhard Schiesser. Erstellt am 10. September 2019 (03:14)

Der neue Aufsichtsratsvorsitzende der Fußball-Bundesliga, Philip Thonhauser, brachte im NÖN-Interview einen interessanten Ansatz aufs Tapet. Eine „geschlossene Liga“ ohne Abstieg – technokratisch zusammengestellt nach wirtschaftlichen und demografischen Kriterien. Logisch, werden sich viele denken, will Thonhauser den Abstieg quasi abschaffen, schließlich ist der Gießhübler nicht nur Liga-Boss, sondern auch Präsident der chronisch abstiegsbedrohten Admira.

Ganz so neu sind Überlegungen in diese Richtung aber nicht. Ganz so falsch sind sie übrigens auch nicht.

Fußball wurde in Österreich längst zum knallharten Business. Selbst Klubs wie die Admira oder St. Pölten kratzen mit ihren Jahresumsätzen an der 10-Millionen-Euro-Grenze. Wirtschaftliches Schmuddel-Image samt Schuhschachtel-Buchhaltung gehören – zumindest im Oberhaus – der Vergangenheit an. Das ist gut, bedeutet aber auch, dass Sponsoren und andere Stakeholder ihre Investments abgesichert wissen wollen. Daran ist nichts verkehrt.

Verkehrt ist da schon eher, dass beispielsweise in Klagenfurt ein Stadion gebaut wurde, das von keinem Oberhaus-Klub bespielt wird. Verkehrt ist auch, dass dort momentan Bäume wachsen – ein Kunstprojekt – und der Wolfsberger AC seine Europa-League-Spiele in Graz spielen muss.

Gegen die Reißbrett-Liga spricht vor allem die über Jahrzehnte gewachsene Fußball-Tradition. Die kann man nicht einfach wegwischen. Sie ist in doppelter Hinsicht ein sehr teures Gut.