Traumberuf Kicker? Eher nicht …

Erstellt am 03. August 2022 | 05:16
Lesezeit: 2 Min
Über die dünne Luft als Profifußballer am Beispiel der Kaderzusammenstellung des SKN St. Pölten.
Werbung

Tabellenführer! Balsam auf den Wunden der zuletzt finanziell wie sportlich ziemlich abgemagerten Wölfe.

Okay, die Qualität der Gegner war bislang überschaubar. Und nach zwei Siegen zu prognostizieren, dass der SKN diesmal um den Titel mitspielen wird, wäre verfrüht. Was sich seriös sagen lässt? St. Pölten hat eine ausgesprochen junge, talentierte und demnach entwicklungsfähige Mannschaft. Beim 5:1 gegen Rapid II trafen fünf verschiedene Spieler: Jaden Montnor (19 Jahre), Ulysses Llanez (21), Benedict Scharner (17), Luis Hartwig (19) und Din Barlov (19).

Die Sache hat aber einen Pferdefuß: St. Pöltens Talente-Pool besteht aus elf Ausländern. Nur Salzburg-Filiale Liefering leistet sich in der 2. Liga mehr (13).

Die Konsequenz? Der SKN verzichtet auf Geld aus dem Österreicher-Topf. Der wird aus Erlösen der Zentralvermarktung gespeist (TV-Rechte, Ligasponsoren) und belohnt Klubs der 1. und 2. Liga dafür, jungen heimischen Kickern Spielzeit zu ermöglichen. Wer auch nur an einem Spieltag mehr als sechs Legionäre einsetzt, hat für ein halbes Jahr das Recht verwirkt am Österreicher-Topf zu partizipieren.

St. Pölten pfeift auf die rund 75.000 Euro pro Halbjahr, die sich im besten Falle damit erwirtschaften ließen. Laut SKN-Geschäftsführer Matthias Gebauer aus zwei Gründen: Halbwegs gestandene österreichische Bundesliga-Profis liegen erstens, was das Gehalt betrifft, deutlich über jungen, ausländischen Kräften. Und zweitens generieren die Routiniers Ramsebner, Schütz & Co auch keine Transferwerte mehr. Zu den vielen Eigengewächsen, die es sehr wohl auch gibt (Scharner, Keiblinger, Messerer etc.), gesellen sich also ausländische „Aktien“.

Diese Taktik ist unpopulär, aber schlüssig. Und deshalb könnte dem heimischen Fußball damit ein Problem erwachsen. Macht das St. Pöltner Beispiel Schule, wird der Beruf Profikicker noch mehr zum Hochrisikogeschäft. Mit anderen Worten: Wer die Karriereleiter nicht schnell genug hinaufklettert, wird von den nachrückenden Jahrgängen noch schneller ins Wad‘l gebissen als bisher.