Weniger Insolvenzen: Kommt da noch was?. Über die gesunkene Zahl an Insolvenzen im Corona-Jahr.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 22. Juli 2020 (05:45)

Die Wirtschaft kämpft. Hilferufe kommen aus jeder Branche. Der Umsatz ist bei vielen eingebrochen. Und trotzdem zeigt die Statistik ausgerechnet im Corona-Jahr einen Rückgang an Insolvenzen. Um ein Viertel sind die in Niederösterreich laut KSV 1870 im ersten Halbjahr 2020 verglichen mit 2019 gesunken. Das wirkt paradox. Ist es etwa doch nicht so schlecht um die Wirtschaft bestellt?

Für Finanzminister Gernot Blümel ist das jedenfalls ein Zeichen, dass die Maßnahmen der Regierung zur Unterstützung der Unternehmen greifen. Die beinhalten etwa die Ausweitung der Frist für das Stellen von Insolvenz-Anträgen. Außerdem können Abgaben bei Finanzbehörden oder der Gesundheitskasse gestundet werden. Das Kurzarbeitsmodell hilft dabei, Personalkosten zu decken.

Dass viele Unternehmer diese Rettungsanker ergreifen, in der Hoffnung es mit staatlicher Hilfe doch durch die Krise zu schaffen, ist verständlich. Ewig geben kann es die aber nicht. Früher oder später werden gestundete Beiträge fällig. Neue Rechnungen kommen hinzu. Das Kurzarbeitsmodell gilt vorerst nur bis September. Das Loch, das fehlende oder geringere Einnahmen in die Kassen rissen, werden aber nicht alle bis dahin gekittet haben. Eine verspätete Pleite-Welle ist für Experten fix. Die Statistik sagt also noch nichts über die insgesamte wirtschaftliche Lage aus.