Wie man Strafe in eine Hilfe umwandeln kann. Anton Johann Fuchs über drohende Strafzahlungen für die Milchbauern wegen Überlieferung im letzten Quotenjahr.

Von Anton Johann Fuchs. Erstellt am 18. Mai 2015 (08:28)

Im Juni kommt die Abrechnung: Rund 50 Millionen Euro werden Österreichs Bauern als Strafe nach Brüssel zahlen müssen, weil sie im Milchjahr 2014/15 um 500.000 Kilo Milch zu viel produziert haben.

Über eine Reduzierung ließ die EU nicht mit sich reden, ungeachtet der Tatsache, dass mit 1. April die Milchquote gefallen ist, jeder so viel produzieren kann, wie er will.

Dass die NÖM mit 1. Mai den Bauernmilchpreis um einen Cent auf 31,7 Cent pro Kilo absenken musste, liegt nicht an einer explodierenden Überlieferung – die Anlieferung stagniert sogar auf (hohem) Vorjahresniveau. Schuld ist ein verunsicherter Weltmilchmarkt: Das Russland-Embargo schadet weiter, und der Hoffnungsmarkt Asien entwickelt sich derzeit sogar rückläufig. Der Handel nutzt die Situation und drückt die Erzeugerpreise, extrem in Deutschland, unserem Hauptexportland.

Dass die EU den Milchbauern jetzt insgesamt 800 Millionen Euro Strafe für die Überproduktion 2014/15 abknöpfen will, wollen die Bauernvertreter nicht so einfach hinnehmen: Wenn schon Strafzahlungen, dann sollen diese nicht im allgemeinen EU-Haushalt landen, sondern sofort in Marktstabilisierungs-Maßnahmen investiert werden. Dann wären sie keine Strafe, sondern Selbsthilfe im freien Milchmarkt.