Zählt Sensationsgier mehr als Aufklärung?. Über ein Worst-Practice- Beispiel aus dem polizeilichen Handbuch der Landes-FPÖ.

Von Eva Hinterer. Erstellt am 20. August 2019 (05:45)

Wenn eine Straftat begangen wurde und Journalisten bei der Polizei die Hintergründe recherchieren, werden oft nicht alle Details genannt. Oder es wird klar vermittelt, was „off records“ gesagt wird – also (noch) nicht für die Veröffentlichung geeignet ist. Das hat handfeste Gründe. Einer ist zum Beispiel, dass flüchtige Täter nicht gewarnt werden sollen. Oder dass sich die Polizei ihren Ermittlungsansatz nicht zerstören will.

Was nach dem Anschlag auf die FPÖ-Zentrale in St. Pölten in der Nacht zum 5. August passiert ist, kann hier als „Worst-Practice-Beispiel“ genannt werden. Die Landespartei veröffentlichte von sich aus wesentliche Details der Straftat, stellte das Video der Überwachungskamera ins Netz und präsentierte auch gleich Vermutungen zu möglichen Tätern.

Für die Arbeit der Polizei ist so etwas extrem kontraproduktiv. Gerade eine Partei, die sich die „Sicherheit“ auf die Fahnen heftet, agiert hier völlig losgelöst von jedem (polizeilichen) Sachverstand. Wollte man die bessere Polizei sein? Oder sich im Opferdasein weiden?

Es ist unbestritten, dass so ein Anschlag schärfstens zu verurteilen ist. Ganz egal, gegen wen er gerichtet ist. Aber jenen, die die Angelegenheit klären sollen, Steine in den Weg zu legen, ist bestenfalls unintelligent.