Zweifelhafter Schutz vor Aggressivität. über die so genannte Klarnamenpflicht, die wüstes Benehmen im Internet verhindern soll. Ob das genügt, ist sehr die Frage.

Von Thomas Jorda. Erstellt am 16. April 2019 (02:02)

Also, die bösen Buben und Mädchen sollen künftig mit der Klarnamenpflicht, ein hübscher Begriff, bekämpft werden. Ungeliebten Menschen darf ich nur noch dann Pest und Cholera an den Hals wünschen, wenn ich dafür mit meinem Namen stehe (wie der gute, alte Claus „Babygrütze“ Hipp).

Ob das wirklich so ist, darüber wird einstweilen kräftig gestritten. Medienminister Gernot Blümel ist jedenfalls überzeugt, den Hebel gefunden zu haben. Besser, man widerspricht ihm nicht, wie die meisten Fachleute es tun, da versteht der Mann keinen Spaß und teilt kräftig aus („Blödsinn!“, hat er Martin Thür in der ZiB2 angeblafft).

Was auf jeden Fall skeptisch stimmt, ist das Verhalten vieler Menschen, denen immer öfter die einfachsten Regeln der Höflichkeit fehlen. Wehe, man steht mit dem Auto eine Sekunde zu lang an der Ampel oder ist beim Aufladen des Einkaufs vor der Kasse nicht schnell genug – sofort bekommt man die volle Aggressivität der Anderen zu spüren, denen völlig egal ist, ob sie wer kennt oder nicht.

Zwischenmenschliches Verhalten ist immer öfter ein Desaster. Was man dagegen tun kann, wissen wir einstweilen nicht. Aber
sicher ist eines: Davon, dass sein Name bekannt ist, hat sich noch keiner davon abhalten lassen, verbal die Sau rauszulassen.