Andreas Maurer: Drei Brücken und ein Anzug. Niederösterreichs „Brückenbauer“ und „Wegbereiter“ Andreas Maurer wäre am Wochenende 100 geworden.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 10. September 2019 (05:24)
NÖ Bauernbund
In der Blasmusik: Sein Mundstück soll Andreas Maurer immerdabei gehabt haben. Und jederzeit in der nächsten Blaskapelle seinen Lieblingsmarsch am Bassflügelhorn mitgespielt haben.

Seine Trauerfeier war vor bald neun Jahren. Seine Regierungszeit war schon vor gut 50 Jahren. Und doch: „Von dem, was er getan hat, wirkt ganz viel nach.“ Sagt Hubert Wachter über Andreas Maurer. Und hat, zum 100. Geburtstag – den Niederösterreichs Alt-Landeshauptmann vergangenen Samstag gefeiert hätte und den man im Wiener Palais NÖ auch mit einem „berührenden“ Festakt beging – im Robert Ivancichs Berndorfer Kral-Verlag einen „Rückblick“ herausgebracht.

In dem erzählt ein Publizist über einen Politiker, den er „als ganz junger Journalist bei der NÖN“ kennengelernt hat. In dem erzählen aber auch ganz prominente Wegbegleiter über einen „Wegbereiter“.

VPNÖ
In der Herrengasse: der Alt-Landeshauptmann und seine Nachfolger Erwin Pröll & Johanna Mikl-Leitner mit Klaudia Tanner und Buchautor Hubert Wachter (v. r.).

Der Reformer. Ein Wegbereiter war der Bauernsohn in vielen Bereichen. Einer davon war die Gemeindezusammenlegung, bei der er 1972 die gut 1.700 Gemeinden auf ein Drittel reduzierte („da gehört irrsinniger politischer Mut dazu“, so Wachter). Ein anderer war das Pflichtschulgesetz 1972, das Naturschutzgesetz 1976 („in Wahrheit war er der erste Grüne“, so „Ziehsohn“ Erwin Pröll) oder „eine vollkommen moderne“ Landesverfassung 1978.

„Er hat in Generationen gedacht.“ Johanna Mikl-Leitner über Andreas Maurer

Der Kämpfer. Gekämpft hat Andreas Maurer aber nicht nur mit „vielen sehr schwierigen Entscheidungen“ im Land. Sondern auch mit einem „politisch übermächtigen Gegner“ im Bund: Bruno Kreisky. Dem damaligen Bundeskanzler schickte er 1971 über 5.000 Traktoren auf den Ballhausplatz – und gewann den Konflikt um die Getreidepreise.

Der Brückenbauer. Trotzdem war Andreas Maurer im wahrsten Wortsinn auch ein Brückenbauer. Drei Donaubrücken, 1971 in Krems, 1972 in Hainburg und ebenfalls 1972 in Melk, hat der „Vorausdenker“ errichten lassen. Und „das Land neu angezogen“ hat er auch. Denn, so Erwin Pröll: Der dunkelblaue Landesanzug mit dem grünen Kragen war „nicht nur ein Marketing-Gag“. Die Musik, die Maurer schon seit er 13 war, machte, auch nicht. Ebenso wenig das „Wiegenlied“, das er Johanna Mikl-Leitners kleiner Tochter beim Besuch auf seinem Hof spielte. Dort gab es auch „das klassische Maurer-Essen: Sauerkraut mit Bratwürstel“.

NÖ Bauernbund
Im Figl-Zimmer: der Landeshauptmann (Mitte) und seine „Buben“ Erwin Pröll, Johann Penz und Franz Blochberger (v. l.).