1989: Schicksalsjahr für Europa und die EU. Warum der Fall des Eisernen Vorhangs auch für Österreichs EU-Beitritt entscheidend war, warum eine europäische Union schon seit 1945 Thema war und wieso es die EU von heute ohne 1989 nicht gäbe - das (und mehr) erklärt Autor, Ausstellungsgestalter und langjähriger Mock-Begleiter Herbert Vytiska in seinem gerade erschienenen Band "1989".

Von Michaela Fleck. Erstellt am 27. Februar 2020 (09:41)
Der Autor und sein Ehrengast: Herbert Vytiska (rechts) mit Othmar Karas im Museum Niederösterreich in St. Pölten
NÖN; Fleck

"Eigentlich hätte das nur das Vorwort sein sollen!" Lacht Herbert Vytiska. Und hat, aus dem Vorwort für sein nächstes Buch doch einen eigenen Band gemacht. "1989 - Europa verändert sein Gesicht" heißt der. Und erzählt auf 210 Seiten nicht nur die (Vor-)Geschichte zum Fall des Eisernen Vorhangs. Sondern auch von der Jahrhundertwende und vom Zerfall des alten Österreich. Von der Teilung Europas und vom Kalten Krieg. Vom Freiheitskampf und von einer ersten (Montan-)Union. Vom "Ostblock" und vom Balkankonflikt. Und vom "Wartesaal", für Europa.

Die Herren vor dem Cover: "1989 - Europa verändert sein Gesicht" heißt der jüngste Band von Herbert Vytiska rund um das Schicksalsjahr Europas.
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"Ohne 1989 gäbe es nicht die EU von heute", so der gebürtige Wiener und überzeugte Wahl-Niederösterreicher. Und, so Vytiska, der jahrzehntelang auch Alois Mock als Pressesprecher begleitet hatte, weiter: "Von 1945 an war das Thema Europa auch für Österreich wichtig." Begonnen habe das mit der Regierungserklärung von Leopold Figl und einem "sehr deutlichen Bekenntnis zu Europa".

Geendet habe das mit dem "wirklich historischen Jahr" 1989, an dessen 17. Juli in Österreich auch die Beitrittsverhandlungen mit der damaligen EWG aufgenommen wurden - "gerade zum rechten Zeitpunkt", so der Autor bei der Buchpräsentation im Kino von St. Pöltens Haus der Geschichte im Museum Niederösterreich.

"Niederösterreich würde anders aussehen, ohne den Fall des Eisernen Vorhangs" Othmar Karas

Dorthin war auch EU-Parlaments-Vizepräsident und langjähriger Europapolitiker Othmar Karas gekommen. Denn: "Es kommt immer auf die Menschen an", so Karas. "Und daher ist es so wichtig, dass es dieses Buch gibt." 1989 sei kein Einzelereignis gewesen. Und es sei ja auch "auf Messers Schneide" gestanden, ob Österreichs Beitrittsantrag überhaupt gestellt werde. Und ohne den Fall des Eisernen Vorhangs wäre der auch "anders beurteilt worden".

Aber, dessen ist sich Othmar Karas sicher: "Niederösterreich würde anders aussehen, ohne den Fall des Eisernen Vorhangs. Europa auch." Denn eigentlich habe 1989 die EU neu gegründet. Das müsse die Union auch heute machen, sich "neu begründen". Und damit, stimmt auch Herbert Vytiska zu, "sind wir noch nicht fertig". 

Fertig geschrieben ist dagegen schon Herbert Vytiskas nächstes Buch - mit 70 Zeitzeugen-Interviews rund um das "Schicksalsjahr" 1989. Erscheinen wird es im Juni.