2030 könnten bis zu 10.000 Ärzte fehlen. Derzeit hat Österreich die höchste Ärztedichte Europas. 2030 könnten allerdings zwischen 2.800 und 7.400 Ärzten fehlen. Das besagt eine im Auftrag von Ärztekammer, Gesundheits- und Wissenschaftsministerium durchgeführte Ärztebedarfsstudie, die am Freitag präsentiert wurde.

Erstellt am 20. Juli 2012 (13:12)

Würde die EU die derzeit geltende Quotenregelung für das Medizin-Studium kippen, durch die 75 Prozent der Anfänger-Studienplätze für österreichische Maturanten reserviert sind, fehlen laut Studie bis 2030 weitere 2.500 Mediziner. Die Differenz zwischen Angebot und Bedarf könnte dadurch auf 5.300 bis 9.900 anwachsen.

Um dem drohenden Mangel an Ärzten zu begegnen, setzt Gesundheitsminister Stöger auf eine Attraktivierung der postpromotionellen Ausbildung und des Berufs. Zusätzliche Medizin-Studienplätze soll es hingegen nicht geben, wie Wissenschaftsminister Töchterle am Freitag bei der gemeinsamen Pressekonferenz betonte. Die Ärztebedarfsstudie habe gezeigt, dass genug Mediziner ausgebildet werden. Mit 23,6 Absolventen auf 100.000 Einwohner sei Österreich Europa-Spitze. Es müsse dafür gesorgt werden, dass möglichst viele von ihnen auch im Land bleiben.

Töchterle sieht die Studie auch als "wichtiges Ergebnis für die Argumentation gegenüber der EU-Kommission." Die Kommission hatte 2007 ein Vertragsverletzungsverfahren für fünf Jahre auf Eis gelegt, mit November würde das Moratorium auslaufen. Töchterle hat die EU-Bildungskommissarin Vassiliou bereits über die Ergebnisse der Studie informiert und positive Signale für eine Verlängerung des Moratoriums erhalten.

Stöger setzt auf eine Attraktivierung der Ausbildung nach dem Medizinstudium. "Als nächstes Projekt werde ich deshalb eine Verbesserung der praktischen Ausbildung der Allgemeinmediziner umsetzen", kündigte er an. Durch Personalmanagement und -entwicklung soll außerdem die Suche der Krankenhäuser nach passendem Personal besser gesteuert werden.

Ärztekammer-Präsident Artur Wechselberger sieht durch die Studie die jahrelangen Warnungen der Ärztevertretung bestätigt und fordert u.a. Verbesserungen in der postpromotionellen Ausbildung: Es müsse eine verpflichtende einjährige Lehrpraxis und ein sinnvoller Einsatz von Turnusärzten, die derzeit vor allem als Systemerhalter in den Krankenhäusern genutzt würden, sichergestellt werden. Generell müssten Ärzte von administrativen Tätigkeiten entlastet werden. "Ich glaube, wir administrieren unser Gesundheitssystem nicht zu Tode, aber auf ein niedriges Niveau."