89-Jährige erhielt die erste Spritze gegen Covid. St. Pöltner Heimbewohnerin wurde als Erste in Niederösterreich geimpft. 1.500 Dosen stehen hierzulande in dieser Anfangsphase zur Verfügung. Der Großteil davon geht an Bewohnerinnen und Bewohner sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Pflegezentren.

Von Lisa Röhrer. Update am 27. Dezember 2020 (15:37)

„Ist doch selbstverständlich, dass man sich zur Impfung meldet, bevor man krank wird“, meint die 89-jährige Berta Kern im „Haus an der Traisen“ in St. Pölten. Ohne zu zögern setzt sich die Pflegeheim-Bewohnerin auf den Sessel neben den Pfleger. Der krempelt ihr den Ärmel hoch. Von Karl Zwiauer, Arzt und Mitglied des Nationalen Impfgremiums, erhält die 89-Jährige als Erste in Niederösterreich die Spritze gegen Corona. Aufgeregt ist sie nicht: „Aber wo! Ist ja nicht meine erste Impfung.“

Nach wenigen Sekunden ist dieses von vielen Menschen seit Monaten erwartete Ereignis auch schon wieder vorbei. Als nächste werden eine ebenfalls 89-jährige und eine 97-jährige Heimbewohnerin geimpft, dann kommen die ersten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Pflegeeinrichtung an die Reihe. "Ich war schon ein wenig ängstlich, weil ich Nadeln nicht so mag. Aber jetzt ist es ein gutes Gefühl", erzählt etwa eine Reinigungskraft der NÖN, während sie noch einen Mulltupfer auf die Einstichstelle drückt.

Dass mit diesem Ereignis am 27. Dezember 2020 im "Haus an der Traisen" ein Stück Medizin-Geschichte geschrieben wurde, ist Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner überzeugt: "Es ist nur ein kleines Sticherl, aber ein großer Stichtag", meint die Politikerin, die mit Bundesministerin Klaudia Tanner (beide ÖVP) die erste Impfung in NÖ aus nächster Nähe verfolgt. Die Trendwende und der Weg zurück zur Normalität hätten damit begonnen. 

An 24 Standorten werden die ersten Impfungen verabreicht

Niederösterreich zählt gemeinsam mit Oberösterreich und Wien zu den ersten Bundesländern, die Impfungen gegen Corona durchführen. Sie haben eine Vorlieferung des Impfstoffs von Biontech und Pfizer erhalten. Insgesamt stehen in dieser allerersten Phase rund 1.500 Impfdosen für Niederösterreich zur Verfügung. Nach der Impfung in der Einrichtung der Landesgesundheitsagentur, kommt ebenfalls noch heute, 27. Dezember, das Haus Elisabeth der Caritas an die Reihe. In den nächsten Tagen werden an rund 30 Standorten in NÖ weitere Impfungen verabreicht. Der Großteil davon an Bewohnerinnen und Bewohner sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Pflege- und Betreuungszentren der Landesgesundheitsagentur sowie zwei private Einrichtungen. Außerdem werden an einigen Krankenhaus-Standorten werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geimpft, die sich dafür freiwillig gemeldet haben.  

Erster großer Schwung wird Anfang Jänner erwartet

Anfang Jänner soll dann das flächendeckende Impfen der Bewohnerinnen und Bewohner sowie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Pflegeeinrichtungen in ganz Österreich beginnen. In Niederösterreich rechnet man mit dem ersten großen Schwung zwischen 10. und 12. Jänner. Geimpft werden soll dann das Personal im Gesundheitsbereich mit hohem Expositionsrisiko in Krankenhäusern, den Rettungsdienst und das testende Personal, mobile Gesundheitsdienste sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Ordinationen bestimmter Fachrichtungen sowie Angehörige der Hochrisikogruppe.