Patienten- und Pflegeanwaltschaft: weitere Agenden. Die NÖ Patienten- und Pflegeanwaltschaft (PPA) übernimmt mit April weitere Pflegeagenden.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 22. Februar 2017 (12:39)
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Symbolbild

NÖ Patientenanwalt Gerald Bachinger sieht die neue Aufgabe der Kontrolle von 48 Landes- und 62 privat geführten Pflegeheimen allein aufgrund der Quantität der Einrichtungen "durchaus mit Respekt", wie er bei einer Pressekonferenz mit Sozial-Landesrätin Barbara Schwarz (ÖVP) am Mittwoch in St. Pölten sagte.

Bisherige Säulen der PPA waren Beschwerdemanagement und Interessenvertretung, Patienten-Entschädigungsfonds und ELGA-Ombudsstelle. Eckpunkte des neuen Ansatzes seien, proaktiv, präventiv und niederschwellig vorzugehen, um als unabhängiges Organ ausgehend von den Heimbewohnern den Blick von unten auf die Organisation zu werfen. Schwerpunktmäßig geht es u.a. um soziale Kompetenz, Team- und Führungskultur. Bei zu strenger Hierarchie könne schon manches schieflaufen, weil sich der Mitarbeiter in der untersten Ebene nichts zu sagen traue, meinte Bachinger.

Konkret soll ein Frühwarnsystem aufgebaut werden, in dessen erster Stufe Informationen gesammelt werden. Bachinger sprach von einem anonymen Meldesystem (CIRS-System), Befragungen der Mitarbeiter und Heimbewohner sowie Auswertung von Beschwerden. Im zweiten Schritt folgen Analysen und direkte Kontakte vor Ort, "Peer Review" und die Ausarbeitung von konkreten Lösungsvorschlägen.

Überlegungen, die Kontrolle im Interesse der Qualitätssicherung weiterzuentwickeln, gab es schon länger, die im Herbst bekannt gewordenen Vorfälle des Quälens von Patienten in einem Pflegeheim im Bezirk St. Pölten hätten dann allerdings aktuellen Druck erzeugt, meinte Bachinger.

Bei dem Fall stelle sich die Frage, wie trotz eines engmaschigen Kontrollsystems derartige Vorkommnisse unbemerkt bleiben konnten. Auch bei den besten Systemen und Kontrollen gebe es keine Garantie dafür, dass nicht wieder etwas passiert. Es gelte aber, die Latte immer weiter nach oben zu schieben. Gerade im Pflegebereich sei menschliche Wärme wichtig, und auch eine Fehlerkultur, sagte Schwarz.

Die Menschen werden immer älter, in acht bis zehn Jahren werde der Anteil der Pflegegeldbezieher um 20 Prozent steigen, verwies die Landesrätin auf die steigenden Anforderungen im Pflegebereich und erwähnte auch die vielen pflegenden Angehörigen. In den vergangenen zehn Jahren wurden bei der NÖ Pflege-Hotline 120.000 Beratungen durchgeführt.

Das Land sei der größte Betreiber stationärer Pflegeeinrichtungen in NÖ, bei den Heimplätzen gebe es nur kurze Wartezeiten. Anonyme Befragungen würden regelmäßig große Zufriedenheit der Heimbewohner bestätigen. In der Architektur der Häuser habe sich manches verändert, der Trend gehe zu Wohngruppen von 14 Personen mit jeweils eigenem Bereich und gemeinsamem Wohnzimmer.