Abschied im November. NÖ Arbeiterkammer / Präsident Hermann Haneder erklärt in der NÖN exklusiv, wann er sich aus der Arbeiterkammer zurückziehen wird. Sein Nachfolger wird Vize Markus Wieser sein.

Erstellt am 07. Juli 2013 (16:55)
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Von Martin Gebhart

NÖN: Vor wenigen Monaten hat die Fraktion der Sozialdemokratischen Gewerkschafter bekannt gegeben, dass Ihnen Vizepräsident Markus Wieser nachfolgen soll. Wann wird der Wechsel stattfinden?
Haneder: Ich habe mich entschieden, dass ich bei der ordentlichen Vollversammlung am 14. November das Präsidentenamt in jüngere Hände gebe. Ich habe vermeiden wollen, dass wir dafür eine außerordentliche Vollversammlung machen, die viel Geld kostet. Das ist das Geld der Mitglieder, das will ich vermeiden. Daher der Rückzug als Präsident am 14. November.

War ausgemacht, dass Sie nur eine Periode bleiben?
Haneder: Das will ich nicht behaupten.

Wie gern waren Sie Präsident der NÖ Arbeiterkammer?
Haneder: Ich glaube, ich war mit Leib und Seele und Herz Präsident. Ich bin sehr viel bei den Leuten in den Betrieben gewesen. Das war für mich immer die Erfüllung. Am meisten wehgetan hat mir, wenn ich den ganzen Tag in Sitzungen verbringen musste. Mir ist lieber, ich bin in dieser Zeit in drei Betrieben und schau, wie es den Leuten geht. Ich habe in St. Pölten ein für Österreich einzigartiges Projekt umgesetzt, das Jugendzentrum Steppenwolf, mitten drinnen im Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerzentrum. Das sieht man nicht überall. Das ist ein klares Signal an die EU. Man kann nicht nur reden, man muss auch etwas für die Jugend tun. Weiters habe ich auch die Vollversammlung in die Regionen gebracht, wir sind damit sogar in einer Berufsschule schon gewesen. Das ist durchaus eine Öffnung des Arbeitnehmer-Parlamentes hinaus zu den Leuten. Dazu habe ich auch noch die Arbeiterkammer-Infotour ins Leben gerufen. Auf was ich aber noch sehr stolz bin: Die Arbeiterkammer in Niederösterreich ist die beliebteste Institution. Da war immer der ÖAMTC vor uns, den haben wir überholt.

Und wie beurteilen Sie den historischen Beschluss, dass die Zen-trale der Arbeiterkammer von Wien nach St. Pölten wechselt?
Haneder: Das war schon schwierig. Du musst die Leute überzeugen, dass auch die Arbeiterkammer in die Landeshauptstadt gehört. Das war ein Prozess, der in der Belegschaft nicht sehr beliebt war, das muss ich ganz offen sagen. Ich denke aber, dadurch, dass wir vom ersten Tag an die Belegschaft informiert haben, mit Betriebsversammlungen und Modellausstellungen, wie das Haus ausschauen soll, haben wir schon sehr viel Skepsis über die Übersiedlung weggenommen.

Die Übersiedlung nach St. Pölten ist auch ein Zeichen an das Land. Wie ist überhaupt Ihr Verhältnis zum Land?
Haneder: Ich habe mit dem Landeshauptmann eine wirklich konstruktive Gesprächsbasis. Er hat mir das Goldene Komturkreuz verliehen. Das ist nicht passiert, weil er mich so gern hat. Aber wir haben eine sachliche Ebene und wir haben alles ausgetauscht, was notwendig war. Das gilt auch für Landesrätin Petra Bohuslav und die Regierungsmitglieder. Auch mit Sepp Leitner von der SPÖ und jetzt mit dem neuen Landesparteiobmann Matthias Stadler gibt es ein enges freundschaftliches Verhältnis.

Auch mit Landeshauptmannstellvertreter Wolfgang Sobotka? Seit er den ÖVP-Arbeitnehmerbund übernommen hat, ist der Ton in der Kammer rauer geworden.
Haneder: Das ist schon Wahlkampf. Der Ton ist schon schärfer geworden, aber das hängt mit den handelnden Personen zusammen. Zum Beispiel der neue NÖAAB-Landesgeschäftsführer Bernhard Ebner, der ist aus meiner Sicht eher auf Konfrontation aus. Sein Vorgänger Franz Piribauer war ähnlich gelagert, aber der hat dann aufgegeben. Weil eines können sie uns nicht vorwerfen, dass wir nicht tolle Arbeit geleistet haben. Im Großen und Ganzen will Wolfgang Sobotka aufzeigen, wie wichtig er ist. Für mich ist es nicht relevant. Sobotka greift mich jetzt etwa wegen meiner Aufsichtsratstätigkeit an, ich habe mich bei seiner Wohnbaugeschichte nie eingemischt, ich war immer fair.

Wie sieht Ihre Zukunftsplanung nach dem November aus?
Haneder: Ich könnte ab morgen in Pension gehen. Manche behaupten, das wird problematisch, von Tempo 200 auf 0 runterzugehen, weil ich zu gern unter Leuten bin. Schauen wir einmal, was auf mich zukommt.

Bis zum November sind Sie als Präsident noch voll im Einsatz?
Haneder: Für mich gibt es das nicht, dass ich sage, ich lehne mich jetzt ein halbes Jahr zurück. Erst vor kurzem war ich wieder auf Betriebsbesuchen.