24 Zahnärzte in Niederösterreich gesucht. In allen Regionen gibt es freie Kassenstellen. Laut Gruber drohe eine Zweiklassen-Medizin.

Von Christine Haiderer. Erstellt am 15. Oktober 2019 (02:41)
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Probleme bei der Nachbesetzung gibt es auch bei Zahnärzten. Das könnte, Hannes Gruber zufolge, zurück zur Zahnsteinzeit bedeuten.

In Puchberg am Schneeberg ist eine Kassenstelle für Zahnmedizin seit Frühling 2016 unbesetzt, in Dobersberg eine seit einem Jahr, in Waidhofen an der Thaya und Wiener Neustadt weitere seit Frühling. Dazu kommen Stellen in Loosdorf und Zwettl, die nach mehreren Ausschreibungen bisher nicht besetzt werden konnten, und Stellen, die kommendes Jahr einen Nachfolger brauchen. Weil Kassenstellen von Ärzten ab 70 Jahren zurückgelegt werden müssen. Eine Regelung, die schon vor Jahren beschlossen wurde, bisher aber Ausnahmeregelungen vorlagen. Insgesamt werden damit niederösterreichweit 24 Zahnärzte für Kassenstellen gesucht.

Viele davon, sagt NÖZahnärztekammer-Präsident Hannes Gruber, können nicht mehr nachbesetzt werden. Weil immer weniger junge Zahnärzte bereit seien, eine Kassenpraxis zu eröffnen. Statt dessen tendieren sie zu Wahlarztpraxen. „Das rechnet sich wirtschaftlich“, erläutert er. Und: Immer mehr Patienten würden sich für einen Wahlzahnarzt entscheiden.

Gibt es aber weniger Kassenärzte, bedeutet das oft für die, die keine Wahl haben oder nicht zum Wahlzahnarzt wollen, lange warten zu müssen. „So ist Niederösterreich wie auch andere Bundesländer auf dem schönsten Weg zu einer Zweiklassen-Zahnmedizin“, betont Gruber. „Auf dem Weg zurück zur Zahnsteinzeit.“

Gruber fordert neuen Kassenvertrag

Besonders schwierig, glaubt Gruber, wird es im Waldviertel werden, wo viele Kollegen älter sind. Die 70-Jahre-Altersgrenze wird in den kommenden Jahren dort besonders spürbar werden. Aber auch in Ballungsräumen wie Wiener Neustadt gibt es Probleme bei der Nachbesetzung.

Wie man seiner Meinung nach Kassenstellen interessanter machen könnte? Unter anderem sollten Gemeinden Zahnärzte mehr unterstützen, also etwa prüfen, ob eventuell Räumlichkeiten zur Verfügung stehen.

Und: „Der Kassenvertrag für Zahnbehandlungen stammt aus dem Jahr 1956“, so Gruber. Seitdem habe die Zahnmedizin aber große Fortschritte gemacht. Daher: „Mit den Sozialversicherungsträgern ist ein komplett neuer, sinnvoller Kassenvertrag auszuhandeln.“ Einer, der die Gegebenheiten moderner Zahnmedizin fair abbilde. Einige Anpassungen der Leistungen habe es in den vergangenen Jahren bereits gegeben, meint dazu der Hauptverband der Sozialversicherungsträger. Wie etwa die Gratis-Zahnspange oder die Mundhygiene für Kinder. Es gebe dazu auch laufend Gespräche mit der Österreichischen Zahnärztekammer.

Neben „Apparategemeinschaften“ – mehrere Zahnärzte, jeder mit eigenem Kassenvertrag, nutzen gemeinsam Räumlichkeiten und Apparate –, glaubt Gruber, dass auch das Job-Sharing-Modell wichtig ist. Job-Sharing ist derzeit nur in bestimmten Lebenssituationen möglich. Diese Einschränkungen sollen Gruber zufolge abgeschafft werden. Diese jedoch, so betont der Hauptverband der Sozialversicherungsträger, wurden vergangenes Jahr stark erweitert. Zum Beispiel auf Altersteilzeit usw.