Alle Lehrerposten besetzt. Schulstart / Landesschulratspräsident Helm sieht einem „ruhigen Schulbeginn“ entgegen, nur im Bundeslehrerbereich gebe es Probleme: „Entscheidungen aus Wien brauchen zu lange.“

Erstellt am 01. September 2013 (17:07)
NOEN, J.Burchhart
„Jede Klasse im Landeslehrerbereich konnte besetzt werden“, sagt Landesschulratspräsident Helm (r.). In Sachen Ganztagsschule plädiert Bildungslandesrätin Schwarz (l.) weiterhin für Wahlfreiheit der Eltern.NLK
Von Tina Wessig

Die gute Nachricht vorweg: „Alle Dienstposten konnten besetzt werden“, sagt der Präsident des NÖ Landesschulrates, Hermann Helm. Dies sei jedoch vor allem dem Engagement von Landeshauptmann Erwin Pröll und jenem von Bildungslandesrätin Barbara Schwarz zu verdanken, die 450 Planstellen, die eigentlich vom Bund bezahlt werden müssten, aus der Landeskasse absichern.

Das Angebot der ganztägigen Betreuung wurde niederösterreichweit auf 380 Standorte ausgebaut – das sind 40 mehr als im Vorjahr –, wobei es völlig flexibel und tageweise konsumiert werden kann.

Schwarz über Schmied: „Mangelhaftes Demokratieverständnis!“

Was Schwarz missfällt, ist die Reaktion der Unterrichtsministerin Claudia Schmied auf die eher zähe Zustimmung zur Umsetzung der Ganztagsschule mit verschränktem Bildungs- und Freizeitangebot bis 17 Uhr: „Zwei Drittel der Eltern an einem Standort müssten zustimmen. Da das nicht der Fall ist, will Schmied jetzt einfach den Berechnungsschlüssel ändern lassen. Das ist für mich mangelhaftes Demokratieverständnis!“ Man müsse doch die Wünsche der Eltern respektieren, ärgert sich Schwarz.

Ärgern muss sich auch Präsident Helm, wenn es um Entscheidungen aus Wien geht: Konkret war die – mittlerweile geschlossene – Privatschule in Wolfpassing Stein des Anstoßes.

Interims-Vertretung in Krems hängt in der Luft

„Ich habe Anfang August eine Anfrage nach Wien gerichtet, in der ich um die Möglichkeit von Containerklassen gebeten habe. Es hat drei Wochen gedauert, bis ich Antwort erhalten habe. So eine Entscheidung fällen wir in Niederösterreich binnen einer halben Stunde.“

Helm empfindet den Landesschulrat mittlerweile gar als „nachgeordnete Dienststelle“ und pocht weiterhin darauf, operative Entscheidungen doch dem Land und den Betroffenen vor Ort zu überlassen.

Ein zweiter Fall ist nicht minder krass: An einer HAK in Krems sei es jüngst bei der Schulleitung zu einem Ausfall gekommen, kurzfristig wurde eine Interims-Leiterin mit der Aufgabe betraut: „Bloß weiß sie bis heute nicht, ob sie per 2. September die Funktion offiziell innehaben wird oder nicht.“

Auf Nachfrage Helms hieß es, der Akt liege im Ministerium. „Wird dort erst die Farbenlehre untersucht?“, mutmaßt Helm politisches Kalkül. Dies alles sei ein „absolutes Chaos, made by Minoritenplatz 5“.

Leidtragende seien Schüler und Eltern, die das Gefühl bekämen, die blau-gelben Schulen wären unzuverlässig. Für Schwarz auch einer der Gründe, warum die Attraktivität des Lehrberufs im Sinkflug sei.
 


Fakten zum Schulstart

  • Am Montag fand für 15.835 Kinder in NÖ der 1. Schultag statt.
  • Es gibt in NÖ 998 Pflichtschulen, darunter Volks-, Haupt-, Polytechnische und Sonderschulen. Die AHS haben 60 Standorte.
  • Im Schuljahr 2012/13 gab es 198.486 Schüler, aktuell ist die Zahl auf 198.133 leicht gesunken.
  • Insgesamt gibt es 7.137 Lehrer an mittleren und höheren Schulen, 13.391 Pflichtschullehrer und 680 Berufsschullehrer.
  • Nachfrage besteht in Deutsch, Mathematik, Englisch, Physik, Maschinenbau & Elektrotechnik