Primärversorgung: NÖ hinkt seinen Zielen hinterher

2022 eröffnen zwei neue Primärversorgungzentren in Gloggnitz und Purgstall. Insgesamt gibt es in NÖ dann sechs – nicht einmal die Hälfte der geplanten 14 bis Ende 2021.

Erstellt am 05. Januar 2022 | 03:19
Lesezeit: 2 Min
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Patienten werden zurzeit in fünf Primärversorgungszentren in Niederösterreich von mehreren Medizinern, Pflegern und Therapeuten betreut.
Foto: shutterstock.com/S_L

Seit Montag werden die Patienten in Gloggnitz unter einem Dach auch von einer diplomierten Pflegerin und einem Psychotherapeuten versorgt. Aus der allgemeinmedizinischen Gruppenpraxis Koll/Grundtner-Sarca wurde das Primärversorgungszentrum (PVZ) Schwarzatal. Zum Vollausbau sollen dort drei Ärzte, Pfleger, Therapeuten und Co. 30.000 Patienten betreuen, erzählt PVZ-Managerin Anna Koll.

Insgesamt gibt es damit im Jänner 2022 fünf PVZ in NÖ. Neben Gloggnitz arbeiten auch in St. Pölten/Harland, Böheimkirchen, Schwechat und dem Alpenvorland Mediziner mit anderen Vertretern von Gesundheitsberufen zusammen.

Das ist jedoch nicht einmal die Hälfte der Zahl, die Bund, Länder und die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) 2021 erreicht haben wollten: 2016 legten sie das Ziel fest, zu diesem Zeitpunkt bereits 75 solcher Zentren in Österreich in Betrieb zu haben. In NÖ waren 14 bis Ende 2021 die Vorgabe, um dem sich zuspitzenden Ärztemangel gegenzusteuern.

„Das Ziel von 14 Einheiten in NÖ hat sich als zu ambitioniert herausgestellt“, sagt eine ÖGK-Sprecherin. Österreichweit sieht es mit aktuell 30 Einheiten ähnlich aus. Die Frage, woran es scheiterte, lässt die ÖGK unbeantwortet. In Kirchberg am Wechsel, wo ein Zentrum geplant war, fanden sich etwa nicht genug Ärzte. Die Länder forderten im Sommer beim Bund Erleichterungen für die bürokratisch aufwendige Gründung von PVZ. Bei der Ärztekammer sieht man auch Covid als Hemmschuh für die Errichtung neuer Zentren an.

Primärversorgung hat sich bewährt

Das Konzept der Primärversorgung habe sich dennoch bewährt, betonen ÖGK und Ärztekammer. An den vier Standorten in NÖ seien 2020 bereits über 24.000 Patienten versorgt worden.

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Philipp Schramhauser baut in Purgstall ein zweites PVZ.
Foto: privat

Positive Erfahrungen hat auch Philipp Schramhauser gemacht, der 2018 das Zentrum in Böheimkirchen eröffnete, das mittlerweile erweitert wurde. „Wir bieten weit mehr als ein Hausarzt“, betont er. Für den Patienten seien die Vorteile, dass sie „alle Leistungen“ unter einem Dach bekommen. Für die Ärzte sieht der Unternehmer in den PVZ eine Möglichkeit, als Allgemeinmediziner zu arbeiten, ohne gleichzeitig ein Unternehmen führen zu müssen.

Außerdem sieht er Entlastung der Spitäler, da in den PVZ Behandlungen durchgeführt werden, für die sonst eine Ambulanz aufgesucht werden müsste. Als Nachteile betrachtet man bei der Ärztekammer, dass es nicht in jedem Ort ein PVZ geben kann und Wege für Patienten so womöglich länger würden. Für Mitarbeiter könnten Arbeitszeiten von früh morgens bis abends ein Nachteil sein.

Schramhauser ist zurzeit mit der Errichtung eines zweiten Zentrums beschäftigt. Das soll im April in Purgstall eröffnen. Auch für 2023 ist ein weiteres fix: Im Stadtteil Viehofen entsteht das zweite PVZ St. Pöltens. Am weiteren Ausbau werde gearbeitet, sagt ÖVP-Landesrat Martin Eichtinger.