Gegner fordern Aus für den S1 Lobau-Tunnel. Das Aus für den Lobau-Tunnel, der die Stadt Groß-Enzersdorf (Bezirk Gänserndorf) mit den Randgebieten Wiens verbinden soll, fordern Projektgegner rund um das Institut „Forum Wissenschaft & Umwelt“. Wissenschaftler der BOKU und des Instituts für Meteorologie und Klimatologie sowie Aktivisten der Initiative „Hirschstetten-retten“ und Umweltorganisation „VIRUS“ sagen, dass “das Projekt von der Gegenwart überholt ist, heute nicht mehr verantwortbar ist, und morgen als Umweltverbrechen bezeichnet wird”.

Von Ondrej Svatos. Erstellt am 25. Februar 2021 (15:42)
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Der geplante Bau des Lobau-Tunnels stößt erneut auf Kritik. Projektgegner bezeichnen den Bau als Erweiterung der S1 aus Gründen des Verkehrsaufkommens zur „Steigerung der Lebensqualität“ als nicht nachvollziehbar. Klimaziele der Stadt Wien, Umweltziele Österreichs, das Pariser Umweltabkommen und EU-Vorgaben zielen auf eine Reduktion des Individualverkehrs ab. Der umstrittene Tunnel widerspreche allen diesen Vereinbarungen, Zielen und Vorhaben, sagen Projektkritiker rund um das „Forum Wissenschaft & Umwelt“, unter anderem mit dem Verkehrsexperten Herrmann Knoflacher, Herbert Formayer vom Institut für Meteorologie und Klimatologie der Universität für Bodenkultur Wien und Josef Unterweger von der Umweltorganisation VIRUS bei einem Online-Pressegespräch.

Starke Umweltbelastung in Zeiten des Umweltschutzes

Die Projektgegner kritisieren, dass der Lobau-Tunnel die Umwelt jährlich mit zusätzlich mehr als 100.000 Tonnen Treibhausgasen belasten wird. Zudem soll der Aufbau rund 230 Hektar Grünfläche in Niederösterreich versiegeln. Und das, obwohl die Bundesregierung sich die Erreichung der CO2-Neutralität in Österreich innerhalb der nächsten 19 Jahre als Ziel gesetzt hat. „Wenn wir Klimaschutz ernst nehmen, wird unsere Mobilität 2040 ganz anders aussehen", ergänzt Herbert Formayer vom Institut für Meteorologie und Klimatologie der Universität für Bodenkultur Wien.

Wolfgang Rehm von der Umweltorganisation VIRUS weist zusätzlich darauf hin, dass die S1-Lobau-Schnellstraße nicht die von der ASFINAG „versprochene Verkehrsentlastung“ bringen wird. Er fordert von der NÖ-Landesregierung eine politische Lösung. Zudem warnt WWF-Sprecherin Maria Schachinger: „Der acht Kilometer lange Lobau-Tunnel würde durch den Nationalpark Donau-Auen führen und damit ein einzigartiges Naturparadies gefährden.”

Ausbau des ÖPNV als nachhaltige Alternative

Die Projektgegner bieten neben der Kritik auch eine Alternative: Den Öffentlichen Verkehr ausbauen. „Unser Vorschlag entspricht sowohl den Klimazielen, aber auch den Verkehrszielen des Bundes und der EU”, ergänzt Hermann Knoflacher. Mobilitätspolitik müsse nach dieser absteigenden Prioritätenreihung geprägt sein: Verkehr vermeiden (kurze Wege, kompakte Siedlungen, Funktionsmischung), Verkehr verlagern (ÖV, Rad, Fuß) und Verkehr verbessern (e-Mobilität).

"Das Forum Wissenschaft und Umwelt appelliert an alle Entscheidungsträger, Abstand zu nehmen von diesem und anderen rückwärtsgewandten Monsterprojekten, die nur den Interessen und Profiten einiger (allerdings einflussreicher) Lobbys dienen, die Allgemeinheit, die Umwelt und die zukünftige Lebensqualität aber schädigen.“, sagt Reinhold Christian, Vorstand des Forums.