Arbeitslosigkeit ist im November wieder gestiegen. Erstmals seit April ist die Zahl der Niederösterreicher, die keinen Job haben, wieder höher als im Vormonat. Am stärksten betroffen sind die Bezirke Mödling, Waidhofen/Ybbs und Schwechat. Land kündigte Investition in Beschäftigungsprojekte an, um gegenzusteuern.

Von Walter Fahrnberger und Lisa Röhrer. Erstellt am 01. Dezember 2020 (13:43)
Symbolbild
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Seit dem historischen Hoch im April ist die Arbeitslosigkeit in Niederösterreich kontinuierlich gesunken. Nun geht die Kurve erstmals wieder nach oben. Im November ist die Anzahl der Menschen, die keine Arbeit haben, wieder höher als im Vormonat. Insgesamt haben 59.582 Niederösterreicher aktuell keinen Job. Das sind um 4.400 (oder 8 Prozent ) mehr Menschen als im Oktober und um 11.141 (23 Prozent) mehr als im November 2019.

Als Grund für den neuerlichen Anstieg im November wird einerseits die Saison genannt. Im Herbst ist die Arbeitslosigkeit traditionell höher. Andererseits hinterlasse hier, laut AMS, auch der Lockdown deutliche Spuren. Das zeigt sich auch an den Branchen, die besonders hart betroffen sind: So gibt es die stärksten Zuwächse im Handel, in der Beherbergung und Gastronomie, im Bereich Gebäudereinigung und der Arbeitskräfteüberlassung sowie in der Warenherstellung. „Stark betroffen sind der Flughafen, die Eventbranche und Reisebüros“, weiß der für den Arbeitsmarkt zuständige Landesrat Martin Eichtinger (ÖVP).

Martin Eichtinger
NLK

Deutlich gestiegen ist die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr in allen Bezirken. Dennoch zeigen sich klare regionale Unterschiede: Am deutlichsten ist das Plus in Mödling (+33,2%), in Waidhofen/Ybbs und in Schwechat (je +32,2%), in Scheibbs (+32,1%) sowie in Melk (+29,1%). Am niedrigsten hingegen in Gmünd (+9,3%) und in Lilienfeld (+12,9%). Bemerkbar macht sich die angespannte Situation auch am Stellenmarkt: Die niederösterreichischen Betriebe haben dem AMS NÖ im November mit knapp 4.100 freie Stellen um ein Zehntel weniger offene Stellen zur Besetzung gemeldet als im Vorjahr (-428). Die meisten offenen Stellen gibt es in St. Pölten .

"Kampf gegen Arbeitslosigkeit hat oberste Priorität"

"Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit hat oberste Priorität. Unser Ziel ist es, wie schon im März, gegen einen weiteren Negativtrend anzukämpfen“, betont Eichtinger. Um Jobs in den Regionen zu unterstützen, werde das Land im kommenden Jahr mehr als 16 Millionen Euro in 18 unterschiedliche Beschäftigungsprojekte investieren, kündigt er an. Beschlossen wurden beim Arbeitsmarktgipfel im Oktober vor allem Maßnahmen in den Bereichen Aus- und Weiterbildung sowie Umschulung. Dass die Maßnahmen des Landes greifen, zeigt sich den Landesrat deutlich. Nach Altersgruppen sind die Menschen im Haupterwerbsalter, also zwischen 25 und 49 Jahren, am stärksten betroffen. Danach kommen Menschen ab 50. „Bei den Jugendlichen sehen wir, dass die NÖ Lehrlingsoffensive wirkt“, meint Eichtinger.  

NÖ hat den geringsten Anstieg nach Kärnten 

Sven Hergovich, Geschäftsführer des AMS NÖ
Hergovic

Trotz des neuerlichen Anstiegs steht Niederösterreich im Bundesvergleich noch besser da: „Niederösterreich verzeichnet nach Kärnten den geringsten Anstieg der Arbeitslosigkeit aller Bundesländer. Österreichweit stieg die Arbeitslosigkeit um 30,5 Prozent“, berichtet AMS-Geschäftsführer Sven Hergovich.