Land NÖ: Talente-Tool als beruflicher "Appetitanreger". Angesichts der vielen NÖ-Arbeitslosen, Menschen in Kurzarbeit und einer für heuer prognostizierten Firmenpleite versucht das Land sich gegen eine Arbeitslosenkrise zu wappnen. Ein webbasiertes Stärken-Analyse-Tool soll dabei helfen "Jobs krisensicher zu machen", heißt es von Arbeitsmarkt-Landesrat Martin Eichtinger (ÖVP).

Von Norbert Oberndorfer. Erstellt am 14. Januar 2021 (13:35)
Menschen und Arbeit-Geschäftsführer Martin Etlinger , Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Landesrat Martin Eichtinger und Snowboard-Weltmeister Benjamin Karl bei der Präsentation des "NÖ-Kompetenzkompass" im Landhaus.
Norbert Oberndorfer

Ende Dezember waren in Niederösterreich 71.336 Menschen (10,4 Prozent) beim AMS arbeitslos gemeldet. 92.000 Menschen sind aktuell in Kurzarbeit. Und für heuer rechnen Arbeitsmarkt-Experten mit der im Corona-Vorjahr verschleppten Insolvenz-Welle. Die wird die Arbeitslosigkeit noch weiter in die Höhe treiben.

Auch Niederösterreich werde die Arbeitslosigkeit "in den nächsten Jahren" begleiten, sagt Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP). "Jeder Arbeitslose tut weh, jeder Arbeitslose ist eine große Verantwortung für uns alle", sagt Mikl-Leitner. Gerade jetzt sei es daher wichtig berufliche Qualifikation zu schärfen und auszubauen - egal ob berufstätig oder arbeitssuchend - und seine eigenen Stärken und Talente zu kennen oder eben herauszufinden, sagt Mikl-Leitner.

Nach dem Qualifizierungs-und Weiterbildungs-Programm "Jobstart", dem Wiedereinstiegs-Initiative für über 50-Jährige "Jobchance" will das Land mit dem "NÖ Kompetenzkompass" sowohl Arbeitssuchenden und Berufstätigen bei der Identifikation ihrer Stärken und Talente unterstützen und so Orientierung geben.

Der Kompass ist Teil der "Arbeitsmarktstrategie NÖ" und soll "Jobs krisensicher machen", sagt Arbeitsmarkt-Landesrat Martin Eichtinger (ÖVP). "Es ist ein wissenschaftliches Werkzeug, wo man in wenigen Minuten seine eigenen Stärken erforschen kann, und aufgrund der Analyse Potentiale und Zukunftsperspektiven für den Einstieg und Umstieg im Arbeitsmarkt aufzeigen kann." Bereits mehr als 1.000 Personen hätten das Tool bereits genutzt.

Keine Berufsempfehlung, sondern Stärkenanalyse

"Der Kompetenzkompass empfiehlt keinen direkten Beruf oder Ausbildung. Es soll vielmehr ein Appetitanreger sein für die nächsten Schritte", sagt Martin Etlinger, Geschäftsführer von "menschen und arbeit", einer Landes-Gesellschaft, die als "Anlaufstelle für lebenslanges Lernen und Qualifizierung" initiiert wurde. Etlinger empfiehlt nach Absolvierung des NÖ-Kompetenzkompasses den Gang zur NÖ-Bildungsberatung.

Das Land konnte den vierfachen Snowboard-Olympia-Weltmeister Benjamin Karl als "Testimonial" und "Influencer" für den NÖ-Kompetenzkompass gewinnen.

Vierfacher Snowboard-Weltmeister Benjamin Karl präsentiert als
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"Man kann ganz anders agieren im Leben, sich bewerben und zu Vorstellungsgesprächen gehen, wenn man seinen Stärken kennt bzw. das Selbstvertrauen dadurch stärkt", sagt Karl bei der Präsentation des Kompetenzkompasses. Ende August hat sich Karl als Fitnessexperte und Onlinetrainer selbstständig gemacht. Nebenbei arbeitet er auch als Rauchfangkehrer im Familienbetrieb mit.

NEOS planen "Anfrage über Kosten und Nutzen"

Kritisch reagiert NEOS-Landessprecherin Indra Collini auf den heute präsentierten Kompetenzkompass und hinterfragt den Kompetenzkompass als geeignete Maßnahme gegen eine "Pleitewelle unvorstellbaren Ausmaßes."

"Es geht nicht darum, eine Maßnahme der Landesregierung schlecht zu reden, sondern darum zu hinterfragen, ob die entstandenen Kosten mit dem tatsächlichen Nutzen für die Bürgerinnen und Bürger in Einklang zu bringen sind", wird Collini in einer Aussendung zitiert, "deswegen muss die Frage erlaubt sein, ob ein Online-Fragebogen wirklich die Maßnahme ist, die wir zum jetzigen Zeitpunkt benötigen oder ob es sich um eine weitere PR-Aktion a la Kaufhaus Österreich handelt."

Die niederösterreichischen NEOS fordern generell deutlich mehr Unterstützung beim Aufbau von digitalen Systemen und Webshops. „Hier stimmt die Wahrnehmung des Landes, wonach hier alles auf Schiene sei, nicht mit der tatsächlichen Erfahrung der Unternehmen zusammen", sagt Collini.

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