Covid: Die ersten Niederösterreicher sind geimpft. Premiere erfolgte bei 89-Jähriger in Pflegeheim. 1.500 Dosen bekam NÖ in dieser ersten Phase.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 30. Dezember 2020 (04:56)
Impfstart in NÖ: Als Erste wurde die 89-jährige Berta Kern im „Haus an der Traisen“ in St. Pölten gegen das Coronavirus geimpft.
Lisa Röhrer

„Ist doch selbstverständlich, dass man sich zur Impfung meldet, bevor man krank wird“, meint die 89-jährige Berta Kern im „Haus an der Traisen“ in St. Pölten. Ohne zu zögern setzt sich die Pflegeheim-Bewohnerin auf den Sessel neben den Pfleger. Der krempelt ihr den Ärmel hoch.

Von Karl Zwiauer, Arzt und Mitglied des Nationalen Impfgremiums, erhält die 89-Jährige als Erste in Niederösterreich die Spritze gegen Corona. Aufgeregt ist sie nicht: „Aber wo! Ist ja nicht meine erste Impfung.“

„Ein kleines Sticherl, aber ein großer Stichtag“

Gleich nach Berta Kern und neun anderen Personen in der Einrichtung der Landesgesundheitsagentur (LGA) in St. Pölten, wurden 150 Personen in einem Caritas-Heim in der Landeshauptstadt geimpft. NÖ erteilte damit mit Wien und Oberösterreich den Startschuss für die Corona-Impfung in Österreich. Wir hatten berichtet:

Insgesamt stehen in NÖ in dieser allerersten Phase 1.500 Dosen zur Verfügung. Die stammen aus einer Vorlieferung der Hersteller Biontech und Pfizer. Damit sollen in den nächsten zwei Wochen, laut Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Bewohnerinnen und Bewohner sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Pflegezentren geimpft werden. Ausgewählt wurden dafür 30 Standorte – hauptsächlich Pflegezentren der LGA sowie zwei Heime privater Träger und einige Krankenhäuser.

Für Mikl-Leitner hat damit am 27. Dezember 2020 der Weg zurück zur Normalität begonnen: „Es ist nur ein kleines Sticherl, aber ein großer Stichtag“, meinte sie nach der ersten Impfung in NÖ, die sie aus nächster Nähe beobachtete.

Großer Schwung im Jänner erwartet

Das flächendeckende Impfen der Bewohnerinnen und Bewohner sowie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Pflegeeinrichtungen in ganz Österreich soll Anfang Jänner starten. In NÖ rechnet man mit dem ersten großen Schwung zwischen 10. und 12. Jänner.

Geimpft werden sollen dann auch das Personal im Gesundheitsbereich, Mitglieder des Rettungsdienstes sowie mobiler Gesundheitsdienste oder Angehörige der Hochrisikogruppe (siehe Infobox). Laut Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) sollen Schritt für Schritt immer mehr Menschen die Chance auf eine Impfung erhalten. Das Ziel sei, dass „wir bis zum Herbst so gut mit Impfstoff ausgestattet sind, dass wir uns nicht mehr fürchten brauchen“.

Die allerersten Menschen, die den gerade erst zugelassenen Impfstoff verabreicht bekamen, waren die Menschen in Wien, NÖ und Oberösterreich aber nicht. Im Entwicklungsprozess sind bereits 40.000 Probandinnen und Probanden geimpft worden. Studien hätten gezeigt, dass die Impfung zu 97 Prozent schütze, sagte Pfizer-Österreich-Geschäftsführer Robin Rumler. Ob die Impfung auch vor Infektion und nicht nur vor Erkrankung schützt, sei aber noch unklar, meinte Ursula Wiedermann-Schmid, Vorsitzende des Nationalen Impfgremiums.