Wie lebt es sich 2122 in NÖ, Herr Horx?

In 100 Jahren arbeiten die Landsleute weniger, leben vermehrt am Land und messen Glück statt Geld – glaubt Zukunftsforscher Tristan Horx.

Erstellt am 07. Januar 2022 | 05:12
Lesezeit: 2 Min
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Der 27-jährige Tristan Horx – Sohn des bekannten Zukunftsforschers Matthias Horx – beschäftigt sich mit der Frage, wie die Jugend von heute künftig leben möchte. Mit der NÖN sprach er über die Zukunft des Bundeslandes, das heuer seinen 100. Geburtstag feiert.
Foto: Klaus Vyhnalek, www.vyhnalek.com

NÖN: Zum 100-jährigen Jubiläum des Landes wird zurückgeblickt. Schauen wir auch nach vorne: Wie sehen Sie Niederösterreich in 100 Jahren?

Tristan Horx: Agrar, Bio und Regionalität werden immer Stärke eines Landes wie Niederösterreich bleiben. Immer mehr Leute werden in Zukunft ruraler und in kleineren Gemeinden leben wollen – die Stadtflucht zeigt sich ja jetzt schon durch Covid. Davon kann Niederösterreich profitieren. Vorausgesetzt, die Infrastruktur dafür wird ausgebaut. Arbeit wird 2122 jedenfalls kein Argument für das Leben in der Stadt mehr sein. Schafft man attraktive Angebote, glaube ich, dass sich das Land gut entwickeln wird.

Während NÖ 1922 ein reines Agrar-Land war, arbeiten heute die meisten Menschen im Dienstleistungssektor. Wie wird die Arbeit der Niederösterreicher 2122 aussehen?

Horx: Es wird eine neue Definition von Arbeit geben. Heute lebt man oder man arbeitet. Das wird in Zukunft mehr verschmelzen. Viele Tätigkeiten werden durch Roboter ersetzt werden können. Vielleicht brauchen wir in 100 Jahren schon Psychologen, die Roboter behandeln. Aber klar ist: Alle Jobs, die Menschlichkeit verlangen, wird es auch 2122 noch geben. Insgesamt wird man dann weniger arbeiten, weil man die Tätigkeiten nicht mehr als Arbeit empfindet.

Dann werden die Menschen mehr Zeit zuhause verbringen. Wie leben sie dann?

Horx: Es gibt die Theorie, dass wir in Zukunft alle in winzigen Wohnungen auf 5 m² leben. Daran glaube ich nicht. Der Mensch ist ein weiterentwickelter Affe, der braucht seine Höhle. Und die braucht eine bestimmte Größe. Die Indikatoren für Lebensqualität sind nicht umsonst Platz, Ruhe und Nähe zur Natur. Was ich aber schon glaube, ist, dass in 100 Jahren viele Menschen – gerade am Land – energieautark leben werden.

Wie sieht es mit dem Wohlstand aus? Geht es wirtschaftlich noch bergauf?

Horx: Beim Wohlstand geht es weiter bergauf. Es ist aber die Frage, ob wir mehr Wachstum brauchen. Es könnte auch sein, dass der Großteil der Bevölkerung mit weniger zufrieden ist. Wir müssen uns mit der Frage beschäftigen, was wir zum Glücklichsein brauchen. Vielleicht wird Glück dann schon als Indikator für Wohlstand herangezogen.

Und welche Probleme drücken dieses künftige „Brutto-Regional-Glück“?

Horx: Wenn wir die Klimakrise nicht vergurken, werden wir uns in 100 Jahren damit beschäftigen, ob es das Ziel der Menschheit ist, unsterblich zu sein. Zudem werden wir den Weltraum erkunden. Die Erde habenwir dann endlich im Griff.

Zentral war für Niederösterreich immer die Entwicklung einer eigenen Identität. Wird es so etwas wie Landesbewusstsein in 100 Jahren überhaupt noch geben?

Horx: Ja, Regionalismus sehe ich auch in Zukunft noch. Man kann sich ja problemlos wie ein richtiger Waldviertler fühlen und trotzdem durch das Internet mit der ganzen Welt verbunden sein. Die Frage, ob man Weltbürger ist oder Patriot, wird sich aus meiner Sichtin 100 Jahren schon gelöst haben.

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