Staatssekretärin in Israel: Jugendaustausch wird reaktiviert

Erstellt am 25. Mai 2022 | 20:52
Lesezeit: 3 Min
Alte Brücken wieder aufbauen - das setzte sich Staatssekretärin Claudia Plakolm bei ihrem dreitägigen Besuch in Israel zum Ziel. Dort unterschrieb die ÖVP-Politikerin ein Jugendaustausch-Abkommen, das sich auf den Austausch junger Generationen beider Länder fokussieren soll.
Werbung

Mit der Unterschrift des Abkommens sei eine "Tradition", wie Plakolm betonte, wiederaufgenommen worden. Denn bereits vor 20 Jahren gab es ein solches Besuchsprogramm für Jugendgruppen. "Wer ein Gefühl füreinander entwickelt, den Austausch pflegt und Freundschaften über die Grenzen hinweg schließt, wird auch weniger antisemitische Tendenzen entwickeln. Das halte ich für essenziell", erklärte die Staatssekretärin. Die ersten Jugendgruppenaustausche sollen bereits im kommenden Jahr stattfinden.

"Haben historische Verantwortung"

Ihren Auslandsaufenthalt im Nahen Osten nutze Plakolm auch für einen Besuch in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Hier wird unter anderem in einem Museum den sechs Millionen jüdischen Opfern  gedacht. "Der Besuch von Yad Vashem war mir ein Herzensanliegen. Wir haben in Österreich eine spezielle historische Verantwortung, die gerade wir jungen Menschen weiter wahrnehmen müssen", so Plakolm. 

Österreich verzeichnete im Vorjahr einen Negativrekord an antisemitischen Vorfällen. Das geht aus Zahlen der Israelischen Kultusgemeinde Wien hervor: So gab es 2021 insgesamt 965 antisemitische Vorfälle in ganz Österreich, ein Anstieg von 65 Prozent. "Wir müssen dafür sorgen, dass das 'niemals vergessen' auch ein 'niemals wieder' bleibt", so Plakolms Appell.

"Sie sind mein Sieg über Hitler"

Nicht alltägliche Einblicke erhielt die Politikerin bei ihrem Besuch im "Klub Österreichischer Pensionisten" in Tel Aviv. Altösterreicher erzählten, wie sie in Israel Zuflucht und eine neue Heimat gefunden haben. Einer von ihnen ist der 99-jährige Ziw Nigal, damals Hermann Heinz Engel. Mit 16 Jahren konnte er vom Nazi-Regime nach Israel flüchten, wo er vorerst bei einer Gastfamilie unterkam. Seine Mutter folgte ihm fünf Jahre später, sein Vater wurde im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Mittlerweile hat Nigal sieben Enkel sowie sieben Urenkel: "Sie sind mein Sieg über Hitler", erklärte er beim Besuch der österreichischen Delegation. 

Einen Gedanken daran, je wieder nach Österreich zurückzukehren, hat er nie verschwendet. Fit hielt er sich bis ins 100. Lebensjahr vor allem mit Schwimmeinheiten und seinem Auto. "Hinter dem Steuer fühle ich mich am sichersten. Kürzlich wurde mir der Führerschein für zwei weitere Jahre verlängert!"

Eine weitere Überlebende ist die 96-jährige Silvia. Sie kam mit dreizehn Jahren nach Israel, verließ als Kind ihre Eltern sowie ihren Bruder. "Mein Vater ist im Lager gestorben, meine Mutter kam mit meinem Bruder später nach Israel", erzählte sie. Mittlerweile ist sie die einzige Überlebende ihrer Familie. 

Ein Stück Österreich in Jerusalem

Ebenfalls nicht fehlen durfte ein Besuch in der Jerusalemer Altstadt. Denn mitten in dieser befindet sich das Österreichische Hospiz, eine Pilgerherberge der Katholischen Kirche. Wer hier übernachtet, der wird unter anderem von  Zivildienern aus Österreich versorgt, fünf von ihnen kommen aus Niederösterreich. 

Mehr dazu im Landesteil der 28 NÖN-Ausgaben am kommenden Mittwoch!