Mit Erasmus raus in die Welt. 9.450 Niederösterreicher nutzten seit 2014 Möglichkeit, auswärts zu lernen oder arbeiten.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 05. November 2019 (01:30)
Die Diskussionen rund um Brexit und mögliche Auswirkungen eines „No Deals“ auf die Erasmus-Aufenthalte im Zweitlieblingsland der Niederösterreicher beobachtet der St. Pöltner Aleksander Kaplan aus nächster Nähe in Großbritannien.
privat

Die Totzenbacherin (Bezirk St. Pölten) Marie Chahrour verbringt gerade ein Semester in Schweden. An der Universität in Stockholm absolviert sie ein Semester ihres Master-Studiums in Soziologie. Der St. Pöltner Aleksander Kaplan ist zur selben Zeit in Leeds, einer Stadt in Großbritannien. Er belegt an einer Partner-Uni „seiner“ Fachhochschule Kurse im Bereich Web- und App-Development.

Die beiden sind zwei von insgesamt 2.450 Niederösterreichern, die heuer das EU-finanzierte Austauschprogramm „Erasmus+“ nutzen. Insgesamt gehören sie zu den 9.450 Niederösterreichern, die seit 2014 ein Semester oder sogar ein ganzes Jahr im Ausland studiert, gelernt oder gearbeitet haben.

Chahrour und Kaplan gehören als Studenten zu den „typischen“ Erasmus-Nutzern. Das Programm soll aber kein Eliten-Projekt sein: Es richtet sich seit mittlerweile fünf Jahren auch an Schüler, Lehrlinge und alle anderen im Bildungsbereich tätigen Menschen. Von Erasmus wurde es 2014 deshalb auf Erasmus+ umgetauft.

Die Totzenbacherin Marie Chahrour (Bezirk St. Pölten) macht ein Semester ihres Soziologie-Masters in Stockholm.
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Aus Sicht der beiden Niederösterreicher ist der Auslandsaufenthalt eine wichtige Erfahrung – nicht nur für die formelle Bildung: „Ich denke, es ist sehr wertvoll, mal längere Zeit im Ausland zu verbringen. Erasmus+ ist dafür die beste und einfachste Möglichkeit“, schwärmt Chahrour. Die Intentionen der EU sind damit erfüllt: Durch die Mobilität von Menschen aller Altersgruppen sollen interkulturelle Kompetenzen gestärkt, die Sprachfähigkeiten ausgebaut und die EU-Identität der Bürger gestärkt werden. Gleichzeitig dient das Programm zur Intensivierung der Zusammenarbeit europäischer Bildungsinstitutionen und zum Wissenstransfer.

Gefördert wird der Aufenthalt je nach den Lebenshaltungskosten im jeweiligen Zielland mit einem Zuschuss zwischen 300 (etwa für Bulgarien oder Kroatien) und 400 Euro (etwa für Schweden oder Großbritannien) im Monat. Ab dem kommenden Jahr soll das Geld für Studenten noch ein bisschen mehr werden: Das Bildungsministerium beschloss, die Stipendien für Erasmus+-Studierende in Österreich noch etwas zu erhöhen. Die Zuschüsse für die Auslandserfahrung steigen ab dem kommenden Semester um 60 Euro pro Studierendem und Monat.

Brexit könnte NÖ ein Lieblingsziel kosten

Am öftesten zieht es Studierende aus NÖ nach Deutschland, Großbritannien und Spanien. Die Frage, welche Folgen der Brexit für den Austausch haben wird, brennt also vielen unter den Nägeln. „Alle, die zum Tag des Austritts Großbritanniens aus der EU dort sind, werden auch bis zum Ende bleiben können“, versichert der Geschäftsführer Jakob Calice vom Österreichischen Austauschdienst. Kommt es zu einem Deal, geht es weiter bis Ende 2020. Gibt es keine Einigung, muss neu ausverhandelt werden.

Was in der kommenden Programmperiode passiert, steht überhaupt noch in den Sternen. Verunsicherung darüber beobachtet Kaplan unter den Studierenden: „Ich war mir zum Beispiel nicht sicher, ob ich im Falle eines ‚No Deals‘ Studiengebühren zahlen muss“, erzählt er. Einige seiner Kollegen hätten sich daher gleich für ein anderes Land entschieden.