Kühles Nass als Todesfalle. Rund 50 Menschen ertrinken jährlich in Österreich. Die NÖN sprach mit Experten über die Ursachen.

Erstellt am 14. August 2018 (03:00)
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Besonders ältere Menschen bekommen beim Schwimmen oft Herz- oder Kreislaufprobleme.
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Im Tullner Aubad starb vor wenigen Tagen eine Frau, offenbar an Kreislaufversagen. Kurze Zeit später zog ein Mann seine Gattin aus der Donau, auch ihr konnte niemand mehr helfen. Sommerzeit ist die Zeit, in der das kühle Nass oft zur tödlichen Falle wird.

Eine der häufigsten Ursachen für den Tod im Wasser, ob er nun durch Ertrinken oder durch Herz-Kreislaufversagen eintritt, ist die Selbstüberschätzung. „Sie steht als Unfallursache beim Baden über allem anderen“, sagt Markus Schimböck, Präsident der NÖ Wasserrettung. Besonders junge Menschen hätten oft coole Bilder diverser Trendsportarten vor sich, „aber im Youtube-Video sieht man halt nicht, wenn etwas schiefgeht“, sagt er.

In Kombination mit der Überschätzung des eigenen Könnens werde auch oft Alkohol konsumiert. Wenn Schimböck mit seinen Kollegen am Ratzersdorfer See in St. Pölten Dienst tut, dann fallen ihm die Risikogruppen schnell auf: Die, die neben einer Kiste Bier sitzen und immer lustiger werden. Die, die schlecht schwimmen können. Und die Kinder, auf die niemand so recht aufpasst. „Die behalten wir dann natürlich besonders im Auge.“

Wenig Aufsicht für die Kinder

Ein weit größeres Problem als die mangelnde Selbsteinschätzung Jugendlicher oder Erwachsener beim Baden betrifft die Kinder. Ertrinken ist bei Kindern nach Verkehrsunfällen die zweithäufigste Todesursache. Und gerade sie werden im Schwimmbad oder an Seen oft viel zu wenig beaufsichtigt.

„Immer wieder gehen kleine Kinder unter und kommen dabei zu Schaden, weil die Eltern lieber am Smartphone spielen als ihre Aufsichtspflicht wahrzunehmen. Viele dieser Kinder tragen nicht einmal Schwimmflügel. Das sollten sie aber immer, nicht nur im Wasser, sondern auch beim Spielen nahe des Wassers tun, denn ein Kind ist im Wasser schneller, als man denkt“, sagt Notärztin Gabi Leister, die selbst auch ausgebildete Wasserretterin ist. „Eltern verlassen sich viel zu sehr auf Schwimmhilfen“, pflichtet ihr Markus Schimböck bei, „aber die bieten keinen hundertprozentigen Schutz.“ Die fehlende Aufmerksamkeit vieler Eltern kann auch er täglich beobachten. „Ein Kind“, sagt Schimböck, „das gerade einmal seinen Kopf über Wasser halten kann, kann noch nicht schwimmen, das sollte den Eltern klar sein.“

Bei älteren Menschen ist der Tod im Wasser oft auf Herz-Kreislaufversagen zurückzuführen. Notärztin Gabi Leister empfiehlt hier, Schwimmhilfen wie Schwimmpolster mitzunehmen: „Dann kann man sich ausruhen, wenn man erschöpft ist.“

Markus Schimböck, Präsident der Wasserrettung, Landesverband NÖ.
ÖWR/Landesverband

Neben Freibädern und Seen sind auch Flüsse beliebte Badereviere. Trotz Top-Badewetters gab es für die Wasserpolizei auf der Donau bislang wenig Einsätze und noch keinen Badeunfalltoten in diesem Jahr. „Sogar das Donauinselfest ist, abgesehen von einer Suchaktion, heuer ruhig verlaufen“, sagt Kommandant Erich Kraus. Für das Schwimmen in Flüssen, das wegen Sogwirkungen und Strömungen sehr fordernd ist, sei Können gefragt. „Man sollte selbstkritisch sein und sich überlegen: Wie viel Sport mache ich sonst? Kann ich mir das zutrauen?“, empfiehlt Kraus.

2017 verzeichnete die Wasserpolizei auf der Donau 15 Lebensrettungen, half 27 in Not geratenen Personen und musste 16 Wasserfahrzeuge bergen. Außerdem gab es im Vorjahr neun Wasserleichen, darunter auch Suizide.

Ein Thema, das in den Sommern 2015 und 2016 die Schlagzeilen beherrschte, ist mittlerweile in den Hintergrund getreten: ertrunkene Flüchtlinge. Hier wurde sehr intensiv gearbeitet, sagt Wasserretter Schimböck. „Wir waren in Flüchtlingszentren, haben für Flüchtlinge Vorträge über die Gefahren von Gewässern gehalten und Schwimmkurse gegeben. Und das machen wir immer noch.“