Bauern & Imker: Wogen geglättet. Landesimkertag / NÖ-Landwirtschaftskammer Präsident Hermann Schultes will mit den heimischen Imkern „nicht mehr streiten“.

Erstellt am 23. März 2014 (23:59)
NOEN, APA/Hans Punz
Bei einer Sondersitzung des Nationalrates zum Bienenschutz im Mai 2013 musste sich Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich harte Angriffe der Opposition gefallen lassen, im Juli beschloss das Parlament dann einstimmig ein Verbot von Neonicotinoid-Pflanzenschutzmitteln.
Von Katharina Fischer

Bei der Jahreshauptversammlung des NÖ-Imkerverbandes am Wochenende zeigte sich NÖ-Landwirtschaftskammer Präsident Hermann Schultes versöhnlich.

Er spricht von einem heftigen vergangenen Jahr. Vieles habe sich verändert: für die Bauern, für die Imker, aber auch für die Konsumenten. In der Landwirtschaft ist im Dezember 2013 der Einsatz von drei Pestiziden aus der Gruppe der Neonikotinoide (Clothianidin, Thiamethoxam, Imidacloprid) verboten worden. Der Grund: Eine Gefährdung der Bienen wurde vermutet.

Die Bauern trifft das Verbot sehr hart

Für die Landwirtschaft bedeute das laut Schultes einen scharfen Schnitt. Unter den verbotenen Substanzen befindet sich unter anderem auch jenes Mittel, dass bisher zur Drahtwurmbekämpfung bei Erdäpfeln eingesetzt wurde. „Jetzt müssen sich die Konsumenten halt daran gewöhnen, dass ihre Erdäpfel auch Löcher haben“, sagt Schultes. Der ganze Umgang mit dem Thema Biene werde in Zukunft wissenschaftlich genauer angeschaut. Schultes betont daher schon jetzt, dass künftig mehr Leute den Bauern bei der Arbeit auf die Finger schauen werden.

„Das Leben wird dadurch sicher nicht einfacher, aber wir werden uns nicht mehr dagegen stellen“, sagt der Präsident. Seitens der Landwirtschaftskammer wolle man nicht mehr streiten. Man habe durch das Thema Bienensterben schon einen Minister verloren, den Nächsten will man nicht auch noch verlieren.

Mehr Schutz für Bienen

Seine Anspielung gilt dem ehemaligen Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich, der auf EU-Ebene gegen ein Verbot von Neonicotinoiden gestimmt hatte. Schultes will sich jetzt zurücklehnen und darauf warten, dass der Schutz der Bienen erfolgreich ist. Generell will man sich in der Landwirtschaft mehr für den Schutz der Bienen einsetzen. Schultes dazu: „Die Bienen sind in der Natur unterwegs, und die Bauern gestalten diese mit. Daher ist das unsere Aufgabe.“

In diesem Zusammenhang führt er ein von der EU geplantes Projekt auch zum Schutz der Bienen an. Dabei soll verstärkt auf Biodiversitäts- und Blühflächen gesetzt werden. Dass dieses Programm mit 1. Jänner 2015 kommt, ist bereits sicher, in welcher Form ist allerdings noch unklar.

Mehr junge Leute im Verband gewünscht

Für Schultes wäre es schade, wenn der eine oder andere Imker in Zukunft die Freude an seinem Beruf oder Hobby verliert. Er habe aber angesichts der derzeitigen Situation Verständnis dafür. Auch der Präsident des NÖ-Imkerverbandes Johann Gruscher hofft in Zukunft auf mehr junge Leute im Verband. Derzeit gibt es 3.581 Mitglieder, die insgesamt 37.580 Bienenvölker betreuen. Seit elf Jahren ist Gruscher Präsident des Imkervereins: „Ich hätte nie gedacht, dass ich es so lange aushalte, aber ich habe halt gute Funktionäre gehabt.“

Bei der Jahreshauptversammlung stand auch die Neuwahl des Vorstandes auf dem Programm. Johann Gruscher stellte sich erneut der Wiederwahl. „Ich bin mir sicher, dass ich weg vom Fenster wäre, wenn es einen Gegenkandidaten geben würde“, scherzt Gruscher. Einen zweiten Kandidaten gab es nicht. Gruscher wurde, ebenso wie der gesamte Vorstand, einstimmig wiedergewählt.