NÖ verlässt sich nicht auf PISA. Wissenschaftler kritisiert Testverfahren, Bildungsdirektion will Erfolge selbst messen.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 10. Dezember 2019 (02:06)
Bereits zum siebenten Mal nahm Österreich an den PISA-Testungen teil. Zu viel Bedeutung misst man den Ergebnissen in Niederösterreich aber nicht bei.
Röhrer

Österreichs Schüler sind die ewigen Dreier-Kandidaten. Zumindest sagen das die mittlerweile siebenten PISA-Testungen, bei denen die getesteten 15- und 16-Jährigen wieder im Mittelfeld landeten. Durchgefallen ist, aus der Sicht niederösterreichischer Bildungs-Experten, aber jemand anderer. Nämlich der PISA-Test selbst. Der Gänserndorfer Bildungswissenschaftler Stefan Hopmann kritisiert das Testverfahren. Zumindest als „umstritten“ stufen es auch Bildungsdirektor Johann Heuras und Bildungs-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister ein. Sie wollen für das Land aussagekräftigere Messinstrumente schaffen.

Die Hauptkritik Hopmanns gilt dem Länder-Ranking, das seit der PISA-Premiere 2000 jedes Mal aufs Neue für Aufregung sorgt. „Es ist untauglich. Abgefragt werden spezifische Teilleistungen.“ Daher seien Schlüsse auf das (Nicht-)Funktionieren des Schulsystems unzulässig, stellt Hopmann klar. Heuras und Teschl-Hofmeister betonen, dass einige Länder gezielt für PISA lernen, um gute Ergebnisse zu erzielen: „Das halten wir nicht für sinnvoll.“

Stattdessen will man im Land Maßnahmen setzen, um in den von PISA diagnostizierten Problem-Bereichen, dem Lesen und den Naturwissenschaften, besser zu werden. Gerade wurden neue MINT-Schwerpunkte für Mittelschulen geschaffen. Zudem werden durch die Initiative Lese.Kultur.Schule Bildungseinrichtungen zertifiziert, die besonders viel zur Lese-Förderung beitragen. „Wir erwarten uns dadurch in beiden Bereichen signifikant bessere Ergebnisse“, kündigen Heuras und Teschl-Hofmeister an.

Bildungsdirektion will Landes-Ergebnisse

Eine klare Rückmeldung werden sie, sofern sich am System nichts ändert, aber auch mit den nächsten PISA-Ergebnissen nicht bekommen. Denn während unter den Staaten die Musterschüler und Problem-Fälle ermittelt werden, gibt es keine Einzelergebnisse für Bundesländer. Diese wären aber hilfreich und zweckmäßig, um Maßnahmen noch gezielter setzen zu können, heißt es aus der Bildungsdirektion. Überprüfen will diese daher selbst, wo ihre Schüler stehen: Die Lesekompetenz der Jugendlichen von Lese.Kultur.Schulen soll etwa mit denen nicht-zertifizierter Schulen verglichen werden.

Geht es nach Hopmann, fällt das Zeugnis für das NÖ-Bildungssystem übrigens gut aus: „Es ist gut aufgestellt, vor allem der berufsbildende Sektor ist wirklich ordentlich.“