Laptops in Schulen? „Weiß nicht, worauf Faßmann wartet“. Ex-Bildungsministerin Hammerschmid wirft ihrem Nachfolger das Verschleppen der Digitalisierung des Unterrichts vor. Die Umsetzung hängt an der Ausstattung der Schulen und an den Kosten.  

Erstellt am 07. Juni 2018 (09:12)
Sonja Hammerschmid
APA (BKA)

Mit den schlechten Noten bei der Mathematik-Zentralmatura und dem wachsenden Ärger in den Schulen wegen offener Fragen bei den Deutschförderklassen ab dem kommenden Schuljahr hat Bildungsminister Heinz Faßmann schon mehr als genug zu kämpfen. Daneben gehen die Probleme und Verzögerungen bei der Ausweitung des Unterrichts mit Computern in den Schulen fast unter.

Genau in diesem Punkt hakt seine Vorgängerin Sonja Hammerschmid ein. Die SPÖ-Bildungssprecherin, die bei der Nationalratswahl Spitzenkandidatin in Niederösterreich war, macht Faßmann und der ÖVP-FPÖ-Koalition im Gespräch mit der NÖN eine Art Hinhaltetaktik bei der Digitalisierung des Schulunterrichts zum Vorwurf: „Ich weiß nicht, worauf er noch wartet.“

Digitalisierung des Unterrichts wird nochmals aufgeschoben

Unmittelbarer Anlass für das Reißen ihres Geduldsfadens und ihre unverhohlene Verärgerung ist, dass die türkis-blaue Koalition in dieser Woche im parlamentarischen Unterrichtausschuss dem Bildungsminister weiteren Spielraum bei der Digitalisierung in den Schulen eingeräumt hat.

Statt, wie die SPÖ mit einem Antrag erreichen wollte, Lehrern und Schülern die notwendige Infrastruktur mit W-LAN, Tablets und Laptops sofort breitflächig zur Verfügung zu stellen, haben ÖVP und FPÖ einen Abänderungsantrag durchgesetzt. Dieser lässt Faßmann bis Jahresende Zeit für eine weitere Evaluierung. Damit wird das Vorhaben auf die lange Bank geschoben.

„Wir haben schon viel zu lange gewartet“, beklagt Hammerschmid. Man wisse aufgrund der Vorarbeiten noch während ihrer Amtszeit als Bildungsministerin von Mai 2016 bis Dezember 2017 längst, was bei der Digitalisierung in den Schulen zu tun sei.

Die Verzögerung trifft insbesondere die Pflichtschulen – auch in Niederösterreich. Am schlechtesten sind nach ihren Erfahrungen die Neuen Mittelschulen (NMS) ausgestattet. Diese Schüler sind damit auch am stärksten von der Verschiebung betroffen.

Hammerschmids Ungeduld steigt: „Ich muss einmal anfangen“

Die SPÖ-Bildungssprecherin im Nationalrat schüttelt vor allem darüber den Kopf, wie die ÖVP-FPÖ-Bundesregierung das für Faßmann unangenehme Thema vorerst einfach vom Tisch bringen will. Mit dem ÖVP-FPÖ-Antrag wird für die Öffentlichkeit der Anschein erweckt, der Bildungsministerin mache ohnehin etwas, indem er nochmals evaluiert, wie der Stand der Dinge in Sachen Digitalisierung in den Schulen ist.

Für Hammerschmid ist das eine unnötige Fleißaufgabe. „Die gesamte Basis für die Entscheidung ist da. Was fehlt ist die Entscheidung und das Geld für den Ausbau der Infrastruktur“, stellt sie fest.

Nach ihren Angaben, die auf den Ergebnissen der Evaluierung aus ihrer Ministerzeit fußt, seien jährlich rund 100 Millionen Euro für die Instandhaltung nötig. Mit einer schrittweisen Ausstattung mit Tablets und Laptops könnten die Kosten aufgeteilt werden.

Aber, so drängt Hammerschmid: „Ich muss einmal anfangen.“ Im Budget sei jedoch dafür nichts vorgesehen. Das hält sie auch für den eigentlichen Grund, warum der Bildungsminister mit dem türkis-blauen Abänderungsantrag nochmals Zeit bis zur Umsetzung eingeräumt bekommt.

Koalition räumt dem Minister eine Frist bis Ende 2018 ein

Konkret sah die entscheidende Passage im SPÖ-Antrag, der der NÖN vorliegt, vor, dass der Bildungsminister die Digitalisierungsstrategie „Schule 4.0“ jetzt „umgehend“ umsetzt. Dafür seien die „notwendigen finanziellen Ressourcen“ bereitzustellen.

Im letztlich beschlossenen türkis-blauen Abänderungsantrag wird Faßmann „ersucht, bis spätestens 31. Dezember 2018 dem Nationalrat einen Bericht über die weiteren Vorhaben im Bereich der Digitalisierung in der Bildung“ vorzulegen. Das heißt im Klartext, auch bis Ende dieses Jahres muss nicht fix sein, was passiert, sondern nur, dass der Bildungsminister die Nationalratsabgeordneten in einem Bericht informiert, wie es weitergehen soll.