„Bin froh, dass es. NÖN-Wahlkampfinterview / FPÖ-Spitzenkandidat Heinz Christian Strache über facebook, NÖN: Nach den Affären um Sperren Ihrer Seiten und rechtsextreme Postings in den vergangenen Wochen: Ist facebook für Politiker ein Segen oder ein Fluch?

Erstellt am 01. September 2013 (17:01)
NOEN, Erich Marschik

Von Martin Gebhart

NÖN: Nach den Affären um Sperren Ihrer Seiten und rechtsextreme Postings in den vergangenen Wochen: Ist facebook für Politiker ein Segen oder ein Fluch?
Strache: Es ist ein Segen, weil man die Möglichkeit hat, abseits der Zensur in diesen modernen Kommunikationsebenen an die Menschen heranzutreten. Über die eigenen Positionen und auch über, das sage ich jetzt bewusst, einen ehrlichen Weg zu informieren, und das abseits der veröffentlichten Meinung und Zensur, die man oft erlebt, und auch abseits von Manipulation. Weil man da den direkten Zugang hat und die Menschen aufklären kann. Wenn im Wahlkampf Kampagnen gegen uns inszeniert werden, dann wären diese sowieso gekommen, ob es facebook gibt oder nicht.

Also mehr ein Segen?
Ich bin absolut froh, dass es facebook gibt, denn ich habe über 137.000 Unterstützer auf meiner Seite und erreiche über die modernen Kommunikationsebenen pro Monat rund zwei Millionen Menschen.

Wie sehen Sie das momentane Kanzlerduell? Vor einem Jahr war noch von Faymann gegen Strache die Rede, jetzt heißt es, Faymann gegen Spindelegger ist das eigentliche Kanzlerduell.
Das eigentliche Kanzlerduell heißt Werner Faymann gegen Heinz Christian Strache. Warum, weil Spindelegger immer – wenn man so will – der G’schamster Diener von Faymann war, ist und bleibt. In Wahrheit haben die beiden sich so eingehängt, dass sich da nichts ändern wird. Die beiden sind eine Medaille mit zwei unterschiedlichen Seiten, die in Wahrheit die gleiche Politik machen. Sie stehen für die höchste Staatsverschuldung, die höchste Arbeitslosenrate, die höchste Steuern- und Gebührenbelastung in der Zweiten Republik. Ihr momentaner gegenseitiger Schlagabtausch ist ein reiner Showkampf. Deshalb bin ich auch der Einzige, der diese Regierung in einem Kanzlerduell herausfordern kann.

In Koalitionsspekulationen werden Sie aber nur genannt, wenn die SPÖ vor Schwarz-Blau warnt?
In Wahrheit muss man eines sehen, dass es nur dann gelingt, mitzureden, wenn wir das Vertrauen der Wähler bekommen und eine Kraft in Richtung 30 Prozent erreichen, weil man uns nicht mehr ausgrenzen kann. Dann können wir unsere Inhalte durch Macht umsetzen. Ich möchte den Bürgern die demokratiepolitische Macht zurückgeben. Koalitionsspekulation gibt es in Wahrheit nur eine einzige realpolitische, nämlich Rot-Schwarz macht weiter wie bisher, wenn sie gemeinsam über 50 Prozent schaffen. Wenn sie drunter bleiben, haben sie schon längst die Grünen als rot-schwarze Lebensverlängerer in den Ländern vorbereitet.

Die 30 Prozent für die FPÖ sind momentan wohl kaum realistisch?
Wahltag ist Zahltag. Am Wahltag ist alles möglich. Ich glaube, gerade beim nächsten Wahltag ist vieles möglich. Es ist ein Kampf zwischen drei Parteien. Ich glaube, dass die SPÖ und die ÖVP in Wahrheit ihr historisch schlechtestes Ergebnis einfahren werden. Die Frage ist, wie stark die FPÖ zulegen kann. Ich will natürlich die 20-Prozent-Marke überspringen. Dann kann es durchaus sein, dass drei Parteien zwischen 20 und 25 Prozent liegen.

Welche Rolle spielt Frank Stronach in Ihrem Wahlkampf?
Frank Stronach ist ein Mitbewerber wie jeder andere, wo das System wie damals beim Liberalen Forum unter Heide Schmidt die Hoffnung hat, dass er den Strache von seinem Erfolgsweg abbringt. Stronach lebt ja gar nicht in Österreich. Er ist in Wahrheit mehr als die Hälfte des Jahres in Kanada und dort auch hauptgemeldet. So gesehen ist er kein österreichischer Patriot, sondern ein Steuerflüchtling, der sich nach der Wahl wieder in den Flieger setzt und nach Kanada zurück fliegt. Man fragt sich, wozu er kandidiert. Da kann er ja gleich in Kanada bleiben und dort antreten.

Sind die Querelen nach der verlorenen Landtagswahl innerhalb der FPÖ ausgestanden?
Es gibt keine Querelen, sondern die Funktionäre und Mitglieder in Niederösterreich haben eine klare Entscheidung getroffen, wie sie in den Statuten vorgesehen ist. Mit Walter Rosenkranz als neuem Landesparteichef und Nationalratsspitzenkandidat in Niederösterreich. In diesem Nationalratsteam befindet sich auch Barbara Rosenkranz. Wir ziehen alle an einem Strang, wobei mir Niederösterreich besonders wichtig ist. Ich erlebe hier auch einen großen Zuspruch.

Ihr Verhältnis zu Barbara Rosenkranz passt auch?
Das Verhältnis zwischen Barbara Rosenkranz und mir passt und ist ein korrektes. Barbara Rosenkranz hat ja ihre Qualitäten im Bereich der Familienpolitik und auch in anderen thematischen Bereichen wie Sicherheitspolitik, wo sie sich in Zukunft im Parlament einbringen wird.

Landeshauptmann Pröll hat in einem NÖN-Interview gewundert, welchen Ton Sie ihm gegenüber im Landtagswahlkampf angeschlagen haben, weil es zuvor einen seriösen Umgang mit der ÖVP Niederösterreich gegeben habe.
Ich glaube, dass diese Gesprächsbasis vielleicht eher mit Barbara Rosenkranz vorher gelegt worden ist. Das war aber durchaus etwas, wo in der eigenen Partei manche gesagt haben, man sollte ein bisschen angriffiger sein, denn die ÖVP ist in vielen Bereichen schuld für Fehlentwicklungen im Land.

Und die direkte Gesprächsbasis mit Erwin Pröll?
Diese ist respektvoll und korrekt. Es muss zwischen einem Parteichef und einem Landeshauptmann selbstverständlich so sein, dass man bei aller Unterschiedlichkeit und allen unterschiedlichen Positionen respektvoll und anständig miteinander umgeht. Ich glaube, der Landeshauptmann ist genau so wenig wehleidig wie ich, der hält schon auch Kritik und eine verbale Auseinandersetzung aus. Wichtig ist auch, dass man nicht nur in allen Bereichen Divergenzen hat, sondern, dass es auch da und dort Gemeinsamkeiten gibt.