Bio und die Gürtellinie. Streit um Agrargeld / Biobauern fürchten, dass sie um viele Millionen Euro Förderung umfallen könnten. Minister Rupprechter und Landwirtschaftskammer bekennen sich zur Bio-Stärkung.

Von Anton Johann Fuchs. Erstellt am 10. März 2014 (23:59)
NOEN, Bio Austria
Sechs Biobauern mit Feigenblatt vor dem Landwirtschaftsministerium, unter ihnen Gerhard Zoubek vom Biohof Adamah in Glinzendorf (Bezirk Gänserndorf) und Jungbauer Stefan Taschl aus Kirchberg/Pielach (3. und 4. von rechts), wollen Kürzungen der Bioförderung nicht akzeptieren.
Von Anton Johann Fuchs

Mit Feigenblättern unter der Gürtellinie und sonst nichts am Leib haben Biobauern am Donnerstag vor dem Landwirtschaftsministerium in Wien unterstrichen, dass sie vom Agrar-Förderkuchen nichts abgeben wollen. Als Feigenblatt einer Umweltpolitik wolle man nicht herhalten.

20 Prozent der Agrarflächen sind "bio"

Für den Agrarbereich stehen in der Periode 2015 bis 2020 etwas weniger Gelder zur Verfügung. Das „Österreichische Programm für umweltgerechte Landwirtschaft“ (ÖPUL) könnte um hundert Millionen Euro gekürzt werden, und die Biolandwirtschaft als ÖPUL-Speerspitze wäre davon massiv betroffen, fürchtet Bio Austria, die größte Organisation im Biobereich.

NOEN, Bio Austria
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Bundesobmann Rudolf Vierbauch ortet eine große Bereitschaft unter konventionellen Bauern, auf Bio umzusteigen. Eine ÖPUL-Kürzung wäre da schwer kontraproduktiv. Derzeit werden fast 20 Prozent der Agrarflächen biologisch bearbeitet, europaweit ein Spitzenwert. Hermann Schultes, seit kurzem Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, rät daher, die Marktstrukturen zu analysieren: „Man sieht sehr klar, was geht und was nicht geht.“

Agrarpolitik setzt mehr auf Dialog

Von populistischen Aktionen der Bio-Austria-Bundesorganisation will sich Schultes nicht aus der Ruhe bringen lassen: „Manches muss man geduldiger angehen.“ In Niederösterreich funktioniere der Dialog mit den Biobauern. Als es galt, den Landesverband nach schweren internen Turbulenzen neu aufzustellen, habe die Landwirtschaftskammer geholfen, vom Bundesverband sei da nicht viel gekommen.

Der Dialog ist auch für Bio-Austria-Landesobmann Otto Gasselich vorrangig: „Wir setzten auf gute Gespräche mit der politischen Vertretung, in NÖ besonders mit Präsident Schultes und Agrarlandesrat Stephan Pernkopf.“ Man hoffe, dass letztlich eine ökologisch ausgerichtete Landwirtschaft gestärkt werde.

Verunsicherung bei Mitgliedern

Für die Aktionen auf Bundesebene äußert er vorsichtig Verständnis: „Mögliche Kürzungen der Bioprämie haben unsere Mitglieder stark verunsichert, und so ist es verständlich, dass sich die Biobauern auf verschiedene Art und Weise Gehör verschaffen.“

Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter kann noch keine konkreten Zahlen nennen: „Die finalen Verhandlungen über die Verteilung der Mittel für die Ländliche Entwicklung und die Prämienhöhe sind noch ausständig.“ Für den Bio-Landbau werde unterm Strich aber ein Plus stehen, verspricht der Minister.


GAP 2014-2020

1. Säule (Betriebsprämie): 4,9 Milliarden Euro für die gesamte Periode, die Auszahlung muss schrittweise auf eine in ganz Österreich gleich hohe Flächenprämie umgestellt werden.

2. Säule (Ländliche Entwicklung): 3,9 Milliarden Euro, mit nationaler Kofinanzierung sind es 7,7 Milliarden. Herzstück ist das ÖPUL.