Bis heute haben Frauen in NÖ gratis gearbeitet. Von 1. Jänner bis heute, 20. Februar, haben Frauen in Niederösterreich unbezahlt gearbeitet. Zumindest statistisch gesehen. Darauf möchte der Aktionstag „Equal Pay Day” aufmerksam machen. Statistisch gesehen verdienen Frauen in Niederösterreich um 14,9 Prozent weniger als Männer. Umgerechnet stellt der Unterschied 51 Tage dar. Oder anders ausgedrückt: Jedes siebte Jahr arbeiten Niederösterreichs Frauen unentgeltlich.

Von Ondrej Svatos. Erstellt am 20. Februar 2021 (06:48)
Symbolbild
Dilok Klaisataporn/Shutterstock.com

Frauenquote, geschlechtergerechte Sprache oder Gendergerechtigkeit. All das sind Begriffe, die in den gesamtgesellschaftlichen Debatten immer häufiger vorkommen. Obwohl der Unterschied des Verdienstes zwischen Männern und Frauen geringer wird, gehen Frauen in Niederösterreich, statistisch gesehen, ihrem Job noch jedes siebte Jahr unbezahlt nach. Darauf möchte das internationale Frauennetzwerk (BPW) mit seinem Equal Pay Day (EPD) hinweisen.

Der EPD steht symbolisch für jenen Tag im Jahr, zu dem Frauen im Vergleich zum männlichen Geschlecht, das bereits seit Jahresbeginn bezahlt arbeitet, unentgeltlich arbeiten müssen. Heuer fällt der EPD in Niederösterreich auf den 20. Februar.

Silbermedaille für Niederösterreich

Im Österreich-Vergleich belegt Niederösterreich mit 14,9 Prozent den zweiten Platz im Kampf für Lohngerechtigkeit. Der erste Platz gehört wie jedes Jahr der Bundeshauptstadt. In Wien beläuft sich die Gehaltslücke auf nur 4,8 Prozent. Den größten Aufholbedarf hat das Bundesland Vorarlberg. Im Ländle klafft heuer die Gehaltsschere um 23,3 Prozent auseinander.

NÖ-Politikerinnen zum EPD

Bildungs-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister
Philipp Monihart

In den letzten Jahren habe sich zwar schon einiges getan. Die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern seien aber immer noch groß, sagt Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP).

„Grund dafür ist nicht zuletzt auch die unterschiedliche Berufswahl. Technische oder handwerkliche Berufe werden immer noch vorwiegend von Männern ausgeübt und sind deutlich höher bezahlt als frauendominierte Berufsfelder wie Einzelhandel, Friseurin oder Bürokauffrau“, so die Frauen-Landesrätin.

Indra Collini
Neos

NEOS-Landessprecherin Indra Collini fordert den massiven Ausbau der Kinderbetreuung in Niederösterreich. „Die hohe Teilzeitquote bei Frauen sowie lange Karenzzeiten führen zu einer strukturellen Schlechterstellung am Lohnzettel. Am Ende des Tages wartet auf viele Frauen die Altersarmut.”

Dieses Problem sei ebenso wie die Lösung bekannt: „Das Angebot bei der Ganztagsbetreuung muss ausgebaut und der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem ersten Geburtstag umgesetzt werden. Darüber hinaus müssen wir weitere Anreize für den Ausbau der betrieblichen Kinderbetreuung schaffen, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erhöhen.“

NÖ-Maßnahmen gegen die Gehaltslücke

Um den Lohnunterschied zwischen den beiden Geschlechter zu verringern, unterstützt das Land gezielt die Initiativen, die die jungen Mädchen an technische Berufe heranzuführen sollen. „Girls Day”, „HTL4girls” oder „TechDatings” all das sind Kampagnen mit denen die NÖ-Landesregierung jungen Mädchen zeigen möchte, dass es sich auf lange Sicht lohnt, auch technische oder handwerkliche Berufsfelder in Betracht zu ziehen. “Viele Mädchen können dadurch ihre unbekannten Talente oder Interessen in diesen Bereichen erkennen“, meint Teschl-Hofmeister.

Für manche ist Equal Pay Day ein Irrtum

Für die Kritiker bedeutet der Equal Pay Day ein Irrtum mit dem die beiden Geschlechter gegeneinander ausgespielt werden. Die Gehaltslücke sei darauf zurückzuführen, dass Frauen schlechter entlohnte Jobs ausüben und vermehrt teilzeitbeschäftigt sind. Dadurch soll sich der Stundenlohn von Frauen drastisch verringern. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Berechnung der Gehaltslücke, weil hier alle Entlohnungen der Führungskräften herangezogen werden und die sind in der Mehrzahl männlich.