Äcker und Wiesen werden rares Gut. Heißer Sommer zeigt, wie wichtig Grünflächen sind. Land NÖ will sie künftig besser schützen.

Von Carina Rambauske und Daniel Lohninger. Erstellt am 28. August 2018 (03:06)
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Ein Haus auf der grünen Wiese mit Anschluss an ein hochrangiges Straßennetz, ein paar Supermärkte mit vielen Parkplätzen und ein Arbeitsplatz in der Nähe. Das ist der Lebenstraum vieler Niederösterreicher.

Dieser Lebenstraum hat seinen Preis: Laut Umweltbundesamt sind 41,4 Prozent der Fläche des Landes versiegelt, also in irgendeiner Form verbaut. Damit liegt Niederösterreich im Bundesschnitt. Schlechter sieht es bei den Pro-Kopf-Zahlen aus: Auf einen Niederösterreicher kommen 407 versiegelte Quadratmeter – mehr sind es nur im Burgenland.

Das Problem: Dichte Verbauung verstärkt die Folgen des Klimawandels. Denn Wiesen, Äcker und Wälder kühlen nicht nur, sie speichern auch Kohlendioxid und bremsen das Wasser bei Unwettern. Landwirtschaftskammer, Hagelversicherung und Verkehrsclub Österreich (VCÖ) fordern nun verstärkte Bemühungen, die Aufschließung neuer Flächen für Häuser, Industrie, Gewerbe und Verkehr zu bremsen.

Trendwende in NÖ ist eingeleitet

Einiges sei in diese Richtung schon passiert, betont Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf und verweist auf ein im Jänner vorgestelltes Maßnahmen-Paket, das viele der Experten-Vorschläge bereits berücksichtigt. Eine Trendwende gab es bereits: Im Vorjahr wurden 60 Hektar weniger umgewidmet als verbaut. Diese Entwicklung soll forciert werden. Das Prinzip beschreibt Pernkopf so: „Es ist viel besser, die Innenstädte zu beleben, als an Ortsrändern neue Flächen zu verbauen.“

Ein großer Brocken ist der Verkehr. Straßen, Parkplätze, Gehsteige und Schienenanlagen machen in NÖ etwa die Hälfte der versiegelten Fläche aus. Verkehrsplanung und Stadtplanung in den Städten müssen rasch reagieren, meint VCÖ-Sprecher Christian Gratzer: „Einerseits um die Hitze in den Orten erträglicher zu machen und andererseits, um dafür zu sorgen, dass Böden mehr Wasser aufnehmen können.“

Rasch umsetzbar wären die Pflanzung neuer Bäume entlang von Straßen und Gehsteigen, die Schaffung neuer Grünflächen im Siedlungsgebiet sowie die verpflichtende Begrünung von Großparkplätzen beispielsweise bei Fachmarktzentren. Zudem soll der Umstieg auf Öffis, Fahrrad und Gehen forciert werden.

Umweltbundesamt; VCÖ 2018, Illustration: Macrovecto/shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

Der Bau neuer Einkaufszentren am Ortsrand ist in NÖ im Unterschied zu anderen Bundesländern an sich nicht mehr möglich. Das Raumordnungsgesetz sei aber zahnlos, weil das Land die Entscheidungen der Ortschefs quasi durchwinke, kritisiert Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Hagelversicherung.

Ein Schlüssel zur Senkung des Bodenverbrauchs ist die Nutzung der Flächenreserven. 40.000 Hektar an Industrie-, Gewerbe- und Wohnflächen stehen in Österreich leer – eine Fläche, so groß wie Wien. Der Hauptgrund: Die Sanierung eines Baus im Stadtzentrum ist teurer als ein Neubau auf der grünen Wiese. Weinberger schlägt deshalb eine steuerliche Entlastung oder höhere Investitionsförderung für Revitalisierungen vor.

Zusätzliche Ressourcen gibt es auch in unbebauter Form: Bauland-Reserven, die von den Eigentümern zurückgehalten werden. Heute ist eine Bauland-Widmung zwar mit Bauzwang verbunden. Für früher gewidmete Grundstücke gilt der aber nicht. „Ein Dilemma, das negiert wird“, sieht Raumplaner Herbert Schedlmayer die Politik in der Pflicht. Nur so könnte die Erschließung neuen Baulandes gebremst werden. Die Zersiedelung müsse jedenfalls gestoppt werden, um wertvolles Ackerland vor der Verbauung zu retten, betont Landwirtschaftskammer-Präsident Hermann Schultes. „Denn versiegelte Flächen gehen für die landwirtschaftliche Produktion unwiederbringlich verloren“, warnt er.

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