Ortschefs ohne Ablaufdatum. Petzenkirchens Lisbeth Kern ist Österreichs dienstälteste Frau im Amt.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 20. Juni 2017 (02:30)
Gleiß
„98 Prozent der Arbeit sind Routine“, sagt Johann Giefing nach 33 Jahren als Ortschef.

Von Jugendwahn in der Politik ist auf den Bürgermeistersesseln des Landes wenig zu sehen. Vielleicht auch, weil die Herausforderungen immer größer werden, ist Ortschef sein oft eine Sache für Routiniers. Das beweist auch das letzte Woche veröffentlichte Ranking des Österreichischen Gemeindebundes.

zVg
„98 Prozent der Arbeit sind Routine“, sagt Johann Giefing nach 33 Jahren als Ortschef.

Dabei stellt Niederösterreich mit Lisbeth Kern aus Petzenkirchen (Bezirk Melk) die am längsten dienende Bürgermeisterin Österreichs. Seit mittlerweile 21 Jahren steht die SPÖ-Politikerin an der Spitze der 1.300-Einwohner- Gemeinde. Geplant hat sie diese Karriere nicht: „Ich bin da so hineingewachsen. Eigentlich wurde ich nur Gemeinderätin, weil ich dem damaligen Vizebürgermeister einen Gefallen tun wollte“, betont Kern.

Unterstützung bekam die nunmehr 61-Jährige auch von ihrem damaligen Arbeitgeber, der NÖ Gebietskrankenkasse. Dass sie mit 40 Jahren als einzige Frau im Bezirk Melk das Amt antrat, sahen damals einige Bürger noch skeptisch. „Doch die Vorbehalte haben sich rasch ins Positive verwandelt. Und mittlerweile gibt es doch schon viele Frauen in dieser Position“, betont Kern.

33 Jahre mit der Gemeinde „verheiratet“

Kerns Pendant bei den Männern ist österreichweit Peter Nindl. Er steht seit unglaublichen 38 Jahren der Salzburger Gemeinde Neukirchen am Großvenediger vor. Dienstältester Bürgermeister in Niederösterreich ist Johann Giefing aus Schwarzenbach (Bezirk Wr. Neustadt Land) mit 33 Amtsjahren.

Er ist damals für seinen plötzlich verstorbenen Vorgänger eingesprungen. Mittlerweile wurde der SPÖ-Politiker acht Mal in ununterbrochener Reihenfolge wiedergewählt. Zuletzt erhielt die SPÖ im 960-Einwohner-Ort 73,54 Prozent. Ein Beweis dafür, dass er sein Amt mit Idealismus und Überzeugung ausübt. Dass er 2020 noch einmal antritt, hat Giefing nicht vor. Aber: „Das hatte ich bei der letzten Wahl auch nicht.“ Deshalb wundert es nicht, wenn seine Frau meint, er sei mit der Gemeinde verheiratet.

Was sich in mehr als drei Jahrzehnten geändert hat, fasst Giefing in zwei Sätzen zusammen: „Wenn wir eine Straße gebaut haben, brauchten wir früher einen Ordner mit 13 Zettel. Heute haben wir drei Ordner und noch immer keine Straße.“