Alexandra Bosek: „Sind nicht die verlorene Generation“. Wie es Schülern mit der aktuellen Covid-Lage geht, und warum sie in gewissen Bereichen sogar mehr gelernt haben als ihre Vorgänger, erzählt Bundesschulsprecherin Alexandra Bosek.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 10. März 2021 (05:55)
Die Teesdorferin Alexandra Bosek (18) ist Bundesschulsprecherin.
privat

Sei einigen Wochen dürfen Schüler wieder in die Klasse. Zuvor lernten sie wochenlang nur zuhause. Spurlos vorübergegangen ist das an Jugendlichen nicht, sagt Alexandra Bosek. Die 18-Jährige muss es wissen: Sie ist Abschlussklässlerin am Gymnasium Biondekgasse in Baden. Wenn sie nicht für den nächsten Test übt, versucht die Bundesschulsprecherin in Gesprächen mit Spitzenpolitikern, die Jugend-Anliegen durchzusetzen.

NÖN: Seit Kurzem gibt es wieder Präsenzunterricht. Wie geht es den Schülern damit?

Alexandra Bosek: Es geht uns besser. Die mentale Gesundheit hat bei vielen im Homeschooling gelitten. Vor allem die, die nicht alleine vor dem PC lernen können, sind auf der Strecke geblieben. Daher ist es eine Erleichterung, dass wir wieder in der Schule sind. Leider ist es aber auch so, dass viele Lehrer jetzt alles aufholen wollen. Wir haben teilweise fünf Stundenwiederholungen am Tag, außerdem Tests und Schularbeiten.

Das heißt, es wird jetzt aufgeholt, was im Homeschooling liegen geblieben ist?

Bosek: So viel ist gar nicht liegen geblieben – zumindest bei den Oberstufen. Da funktioniert das Distance Learning besser. Aber natürlich haben wir Bildungslücken, die wir mitnehmen.

Es gibt die Idee, die Ferien zu verkürzen oder zu streichen, um da Versäumtes nachzuholen.

Bosek: Davon halte ich nichts. Auch Schüler brauchen ihre Erholung. Es ist nicht so, dass wir jetzt wochenlang nichts gemacht haben. Es ist auch jetzt nicht so, dass wir jeden zweiten Tag schulfrei haben. Und eines will ich betonen: Wir sind nicht die verlorene Generation.

Gibt es Dinge, die Schüler heuer mehr oder besser gelernt haben als die Generationen davor?

Bosek: Ja, wir haben Soft Skills entwickelt. Flexibilität und Eigenverantwortung. Das lernen viele erst im Studium oder Job.

Im Gegensatz zu 2020 soll die mündliche Matura heuer wahrscheinlich nicht entfallen. Es wird aber Erleichterungen geben. Ist das die richtige Entscheidung?

Bosek: Wir haben uns als Schülervertretung immer für Freiwilligkeit bei der mündlichen Matura ausgesprochen. Diese Gerechtigkeit muss aus meiner Sicht geschaffen werden.

Werden die Anliegen der Schüler gehört?

Bosek: Ich finde es traurig, dass es eine Krise gebraucht hat, damit das so ist. Aber ja, wir werden gehört. In alle bisherigen Verordnungen sind unsere Forderungen miteingeflossen. Ich bin auch im Austausch mit dem Herrn Bildungsminister.

Mit 18 Jahren ist das keinesfalls selbstverständlich. Wie waren die vergangenen Wochen für Sie?

Bosek: Es gab einen Moment, da ist mir klar geworden, wie viel Verantwortung ich trage, und dass das, was ich sage, Gewicht hat. Das war arg. Aber mir war klar, dass es kein leichtes Jahr wird, dafür habe ich mich entschieden.