ISTA: 600 Wissenschafter forschen in NÖ auf Welt-Niveau

Erstellt am 22. Juni 2022 | 03:32
Lesezeit: 3 Min
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600 Wissenschafterinnen und Wissenschafter betreiben am IST Grundlagenforschung. Die soll den Weg für neue Technologien ebnen.
Foto: ISTA
Vor 15 Jahren starteten die Vorbereitungen. Mittlerweile lockt das Institute of Science and Technology Austria (ISTA) die klügsten Köpfe aus 80 Ländern nach NÖ. Woran sie arbeiten und was auf dem Areal bis 2036 noch entsteht.
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Corona gäbe es bei Ameisen nicht. Die Insekten haben wenig Epidemien, obwohl sie über kein eigenes Immunsystem verfügen. Stattdessen haben sie in ihren Kolonien so etwas wie ein kollektives Immunsystem. Vereinfacht gesagt: Wenn sich ein Tier etwas einfängt, wird es von den anderen gereinigt.

Dieses Wissen erhält man bei einem Besuch am ISTA in Klosterneuburg. Die elf Ameisen-Forscher sind Teil der 600 dort tätigen Wissenschafter. Nachdem vor 15 Jahren mit den Vorbereitungen zur Errichtung des „Institute of Science and Technology“ begonnen worden war, forschen sie dort heute auf Weltniveau.

Gleichzeitig werden die Spitzenforscher der nächsten Generation ausgebildet. Land und Bund lassen sich das alleine zwischen 2026 und 2036 3,28 Milliarden Euro kosten. Woran genau hinter den modernen Mauern gearbeitet wird, ist für Nicht-Mathematiker oder -Techniker jedoch oft schwer greifbar. Die NÖN machte sich auf die Suche nach Antworten.

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Schon jetzt besteht der Campus des IST Austria aus zahlreichen Labor- und Bürogebäuden. Genug ist damit aber noch nicht: Weitere Forschungsräume entstehen bis 2036.
Foto: Magic Lemur Productions/ISTA

Insgesamt verteilen sich die Wissenschafter auf dem Campus, der sich auf dem Areal einer früheren Nervenheilanstalt befindet, zurzeit auf 70 Forschungsgruppen. Dazu stehen top-ausgestattete Labor-Räumlichkeiten zur Verfügung, etwa auch eine Kernspinresonanz-Facility oder ein ultrapräziser Nano-3D-Drucker. Die Wissenschafter betreiben dort Grundlagenforschung. In der Regel ist die weniger anschaulich als das Ameisen-Beispiel.

Untersucht wird etwa, wie man das Gehirn verjüngt oder die Grundlagen neuronaler Netze. Die Auswirkungen dieser Arbeit sollen aber praktisch sein. Grundlagenforschung verfolgt das Ziel, der Menschheit zum besseren Verständnis des Universums zu verhelfen, um den Weg für neue Technologien zu ebnen. Das dauert jedoch oft Jahrzehnte: Die Wissenschaftler, die elektromagnetische Wellen entdeckten, hatten damals etwa auch noch keine Ahnung, dass sie so Jahre später Videotelefonie ermöglichen.

Die wissenschaftlichen Mitarbeitenden und Studierenden – rund 37 Prozent sind Frauen – kommen dazu aus 80 Ländern nach NÖ. Der internationale Geist wird schon deutlich, wenn man im Café einen Tee bestellt. Gesprochen wird nur Englisch.

IST-Park entsteht bis 2036

Als eigene Welt abgeschirmt vom Rest der Region wollen das ISTA aber weder die Forschenden noch die Gemeinde betrachtet wissen. Der Campus brachte nicht nur neue Jobs und eine Aufwertung des Wirtschaftsstandorts. Die Stadt wurde dadurch auch internationaler und die in Klosterneuburg wohnhaften Professoren und Mitarbeiter stellen eine menschliche Bereicherung für die Gesellschaft dar, meint Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager (ÖVP).

Ansiedeln sollen sich dort noch viele weitere Koryphäen. Denn obwohl erst im Herbst 2021 ein neues Laborgebäude eröffnet wurde, laufen bereits neue Bauarbeiten. Bis 2036 entsteht der ISTA-Park. Fünf neue Gebäude sollen weiteren Labors und Büros sowie Start-ups Platz bieten. Bis 2036 soll das ISTA auf 150 Forschungsgruppen wachsen. Auch ein Besucherzentrum wird errichtet.