Laut Prüfbericht kein Missbrauch von Kirchenbeiträgen. Der Bericht über die Visitation der Diözese Gurk ist fertig und wird am Montag nach Rom geschickt. Bischof Alois Schwarz wartet die Reaktion der Bischofskongregation im Vatikan ab.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 16. März 2019 (10:02)
APA/Barbara Gindl
Franz Lackner

Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner hat sich nach Abschluss des Berichts über die apostolische Visitation der Diözese Gurk-Klagenfurt am Freitag den Fragen der Medien gestellt. Wie angekündigt gab es keine Auskunft über konkrete inhaltliche Untersuchungsergebnisse, jedoch die eine oder andere klare Aussage.

Der Bericht selbst dürfte Zeugnis von zahlreichen diözesaninternen Konflikten ablegen. Der St. Pöltner Bischof Alois Schwarz wollte vorerst noch keine Stellungnahme zum Prüfbericht abgeben. Er will noch die Reaktion der Bischofskongregation in Rom abwarten, wo er im Sommer selbst um eine Untersuchung der Causa gebeten hat.

Wirtschaftliche Führung des Bistums verbesserungswürdig

Das 50-seitige Papier, das am Montag an die Nuntiatur nach Rom geschickt wird, nimmt auch zur wirtschaftlichen Gebarung der Diözese Stellung - und zwar im Zeitraum 2008 bis 2018 und inklusive der Zeit der Sedisvakanz nach der Amtseinführung von Alois Schwarz als Bischof von St. Pölten im Juli 2018. „Für alle zehn Jahre weist der Bericht ein ausgeglichenes Ergebnis aus", attestierte Herbert Beiglböck, Caritas-Direktor von Graz-Seckau, der für die wirtschaftliche Prüfung zuständig war. "In keiner Weise haben wir eine missbräuchliche Verwendung von Kirchenbeiträgen festgestellt."

Allerdings beanstande der Bericht zahlreiche Mängel - etwa beim Einhalten kirchenrechtlicher Vorschriften. "Wir orten großes Verbesserungspotenzial für die wirtschaftliche Führung des Bistums", sagte Beiglböck. Neben den bereits bekannten beiden Selbstanzeigen in Steuerfragen und der Untersuchung wegen Untreueverdachts habe die Prüfung keine weiteren möglicherweise strafrechtlich relevanten Aspekte hervorgebracht.

Zweite Einsicht nicht in Anspruch genommen

Lackner und Mitglieder seines Visitationsteams wiesen am Freitag auch Vorwürfe zurück, wonach man dem Domkapitel Gurk zu wenig Zeit für Einsicht in den Bericht gegeben habe. "Das Domkapitel hat die Möglichkeit einer zweiten Einsicht ohne zeitliche Befristung letztlich nicht in Anspruch genommen", betonte Lackner. Man dürfe dabei auch nicht außer Acht lassen, dass der Bericht vor allem aus persönlichen Stimmen bestehe. "Da sind auch Aussagen dabei, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind."

Zu möglichen Konsequenzen für Bischof Schwarz nach Fertigstellung des Berichts wollte sich Lackner am Freitag nicht äußern. "Diese Frage liegt in Rom, die beantworte ich nicht", sagte der Erzbischof. "Wir haben rein eine Sachverhaltserhebung gemacht, was die Gründe für die Wirrungen nach der Zeit von Schwarz waren."

Rund 200 Gespräche wurden geführt

Und davon dürfte im Bericht ausführlich die Rede sein. So sollen zahlreiche Befragte von Kränkungen, Sorgen, Enttäuschungen und Verwundungen berichtet haben. "Wir haben versucht, so vorurteilsfrei wie möglich einen differenzierten Blick auf die Situation in der Diözese zu legen", resümierte Lackner. Insgesamt habe man rund 200 Gespräche geführt und 145 davon protokolliert. Er selbst sei dabei neun Tage in Kärnten gewesen.

"Es braucht das ehrliche und rechtzeitige Gespräch, wenn es um Konflikte geht. Das war und ist in der Diözese noch nicht möglich", sagte der Vorarlberger Bischof Benno Elbs in seinem Fazit. Voraussetzung dafür sei das Benennen und Erkennen von Schuld und Fehlern, erst dann könnten Wiedergutmachung und die Übernahme von Verantwortung erfolgen. "Mit den Möglichkeiten die wir hatten, haben wir versucht einen ersten Schritt in diesem Heilungsprozess in der Kärntner Kirche zu setzen."