Pläne für 60 Dorf-Offices in Niederösterreich

Erstellt am 24. März 2021 | 03:47
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Wie das Dorf-Office in Muggendorf (Bezirk Wiener-Neustadt-Land) funktioniert, sahen sich NÖAAB-Obfrau Christiane Teschl-Hofmeister und Landtagsabgeordneter Franz Rennhofer an.
Foto: Lisa Röhrer, Lisa Röhrer
Ländliche Co-Workingspaces entstehen. Beispiel dafür ist Ort im Schneebergland.
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„Immer am selben Ort zu sein – für die Arbeit und in der Freizeit – hat mich auf Dauer gestört“, erzählt Barbara Hollinger. Die Angestellte eines großen Wiener Unternehmens ist seit dem ersten Lockdown fast durchgängig im Homeoffice. Wie viele andere hat sie dabei auch die Schattenseiten des Zuhause-Arbeitens kennengelernt. Regelmäßig marschiert sie deshalb in das Muggendorfer Gemeindeamt, klappt ihren Laptop auf und erledigt die Arbeit dort.

Der Sitzungssaal des Amtsgebäudes der 517-Seelen-Gemeinde im Bezirk Wiener Neustadt – die sonst nur wegen der Myra-Fälle als beliebtes Ausflugsziel und Instagram-Motiv bekannt ist – wurde bereits zu Beginn der Corona-Zeit in ein „Dorf-Office“ umgewandelt. Tische, Drucker und Kaffeemaschine stehen Arbeitnehmern dort kostenfrei zur Verfügung. Außerdem leistungsstarkes Internet – eine Notwendigkeit für das Arbeiten, die in vielen Haushalten Muggendorfs wie in anderen ländlichen Regionen nach wie vor nicht gegeben ist.

Gemeinden stellen leer stehende Räume zur Verfügung

Für den NÖAAB ist dieses zufällig entstandene Projekt Vorbild für ein Netz an Dorf-Offices, das, wie Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP) im NÖN-Interview ankündigte, schon bald in ganz Niederösterreich entstehen soll. Angelehnt an urbane Co-Working-Spaces wollen die türkisen Arbeitnehmer-Vertreter mobile Arbeitsplätze am Land schaffen. Gemeinden sollen leer stehende Räume dafür zur Verfügung stellen.

Damit Einwohner, für die Homeoffice Teil der Arbeit bleiben wird, auch einen Ort außerhalb der eigenen vier Wände dafür nutzen können. 60 Gemeinden haben bereits ihr Interesse bekundet: In Kaltenleutgeben (Bezirk Mödling) fehlen etwa nur noch wenige Büroausstattungen. In Haag (Bezirk Amstetten), Karlstetten (Bezirk St. Pölten) und Groß-Siegharts (Bezirk Waidhofen an der Thaya) läuft die Planung. In Waidhofen/Ybbs ist mit dem Betacampus bereits ein großes Projekt am Start, wo sich auch Arbeitnehmer einmieten können. Der NÖAAB plant zudem eine Buchungsplattform für alle Räumlichkeiten im Land.

Vorteile für Angestellte, Chefs und Gemeinden

„Ich halte das für ein gutes Modell für Leute, die nicht jeden Tag pendeln wollen. Das ist gut für die Umwelt, die Work-Life-Balance und die Familie“, meint Teschl-Hofmeister. Einen Vorteil sieht sie auch für die Orte und die Firmen: Unternehmen sollen so die Möglichkeit erhalten, auch Menschen einzustellen, die sonst wegen der Entfernung nicht in Frage kämen. Gemeinden sorgen dafür, dass die Menschen im Ort bleiben.

Die konkrete Umsetzung der Dorf-Offices ist unterschiedlich. Auch die Frage, ob die Räume kostenlos zur Verfügung gestellt werden, sagt Teschl-Hofmeister. In Muggendorf – wo jeder jeden kennt – ist es jedenfalls sehr unkompliziert: „Jeder kann kommen, wann er möchte. Im Notfall gibt es einen Schlüssel“, sagt ÖVP-Bürgermeister Uwe Mitter.