Wie Anmeldung, Lieferung und Impfung in NÖ laufen. Der Impfstoff ist knapp. Bald gibt es erste Impfstraßen. Im Sommer könnte Niederösterreich durchgeimpft sein: Das sagt Notruf-NÖ-Chef Christof Chwojka. Hier gibt's die wichtigsten Infos zusammengefasst.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 21. Januar 2021 (12:12)
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  • Der Impfstoff ist knapp. "Wir verimpfen jeden Impfstoff, den wir kriegen können", versichert Christof Chwojka, Geschäftsführer von Notruf-NÖ und Impfkoordinator für Niederösterreich. Dass das Verabreichen der Spritzen gegen Covid dennoch nicht schneller geht, liegt daran, dass es nicht ausreichend Vakzine gibt. "Wir haben viel, viel, viel zu wenig", klagt Chwojka. Ein Lieferengpass von Biontech und Pfizer verschärfe die Situation. 

Wie knapp die Menge ist, verdeutlicht der Notruf-NÖ-Chef anhand des Beispiels der über-80-Jährigen: Da stehen 100.000 zu impfende Menschen 25.000 Dosen gegenüber.

Bis März soll Niederösterreich 60.000 Impfdosen erhalten. Momentan sind es rund 10.000 Dosen pro Woche. Geimpft wurden in Niederösterreich bisher rund 29.000 Menschen. Momentan bekommen die bereits Geimpften ihre zweite Teilimpfung. Fix ist, dass ab Kalenderwoche fünf (1. bis 7. Februar) die etwa 3.000 niedergelassenen Ärzte die Spritze erhalten. In der Woche darauf startet die Immunisierung jener 50.000 Menschen über 80 Jahren, die mobil sind. 

  • Tausende Niederösterreicher haben sich schon vorregistriert. Das Interesse an der Impfung ist momentan sehr hoch.  Mittlerweile haben sich knapp 350.000 Menschen unter www.impfung.at registriert (Stand Donnerstag Mittag).  Am größten ist die Nachfrage bei den 60- bis 64-Jährigen.

Bei der Anmeldung handelt es sich momentan jedoch nur um eine Vorregistrierung. Wer seine Daten angibt,  bekommt Informationen, sobald er oder sie sich impfen lassen kann. Erst dann ist es möglich, einen konkreten Termin zu vereinbaren. Die Vorregistrierung will man beim Notruf-NÖ außerdem nutzen, um die Menschen über den Lauf der Impfung zu informieren. 

  • NÖ soll im Sommer durchgeimpft sein. Beenden könnte die Mangelphase die Zulassung des Impfstoffs von AstraZeneca. Dann kann es sein, dass plötzlich sehr viele Dosen nach Niederösterreich kommen, die sehr schnell verimpft werden müssen. Hier ist allerdings noch nicht wissenschaftlich bestätigt, dass dieser Impfstoff für die über-65-Jährigen geeignet ist. Ist das nicht der Fall, müssen niedriger Priorisierte wie beispielsweise Pädagoginnen vorgereiht werden. Ansonsten ist die Reihenfolge anhand der Empfehlungen des nationalen Impfgremiums klar festgelegt: Zuerst Bewohner von Pflegeheimen, dann über-80-Jährige, dann Menschen in systemrelevanten Berufen und Risikopatienten, zum Schluss die allgemeine Bevölkerung. 

Die großen Mengen hat der Hersteller Biontech/Pfizer für April angekündigt. Hinzu kommen könnten noch Impfstoffe von AstraZeneca oder Moderna. Halten alle Lieferpläne, geht man beim Notruf-NÖ davon aus, dass im Sommer alle Niederösterreicher, die das wollen, geimpft sein werden. 

  • Den Impfstoff kann man sich nicht aussuchen. Welchen Impfstoff man bekommt, kann man laut dem Notruf-NÖ-Chef nicht selbst entscheiden. Jeder muss nehmen, was er kriegen kann. Außerdem müssen beide Teilimpfungen vom selben Hersteller sein. 
  • Geimpft wird an fixen Standorten, bei niedergelassenen Ärzten und in Impfstraßen. Verimpft werden die Vakzine auf drei Arten. Die erste ist am 27. Dezember angelaufen: Pflegezentren oder Kliniken bekamen Impfstoff, den sie selbst verimpften.  Mittlerweile sind, laut Stefan Spielbichler, alle, die wollen, in den Pflegezentren geimpft. Das Verimpfen der zweiten Dosis ist gerade angelaufen. In Niederösterreich könne garantiert werden, dass alle, die die erste Dosis bekommen haben, zeitgerecht auch die zweite bekommen.

Notruf-NÖ-Geschäftsführer Christof Chwojka koordiniert die Impfung in NÖ.
Notruf NÖ

Die zweite Art ist das Verimpfen von niedergelassenen Ärzten. "Jeder der impfen will, kann auch impfen, wenn genügend Impfstoff vorhanden ist", sagt Chwojka.

Die dritte Art, wie die Spritzen verabreicht werden, sind Impfstraßen. Angelehnt an die fixen Teststraßen, die es beginnend ab Montag an rund 80 Orten in Niederösterreich geben soll, soll es bald auch Impfstraßen geben. In den ersten Gemeinden geht es bereits in wenigen Tagen los: Sobald ab 8. Februar die über-80-Jährigen die Spritze bekommen, werden sich einzelne Gemeinden zu Impfstraßen zusammenschließen. Organisiert werden die Straßen von den Kommunen. Auch die Entscheidung, wer dort impft, bleibt den Gemeinden überlassen. Im Notfall können aber das Bundesheer oder das Rote Kreuz einspringen, betont Chwojka. 

  • Für übrig bleibenden Impfstoff soll es regionale Wartelisten geben. In Wien soll es nun eine Warteliste für Impfwillige geben. Die können sich in eine Online-Vormerkplattform eintragen lassen. Niederösterreich plant ein ähnliches System. Allerdings nicht für das gesamte Bundesland, sondern auf regionaler Ebene. Die einzelnen Impfstellen sind dazu angehalten, solche Listen zu erstellen und jeden verfügbaren Impfstoff schnellstmöglich zu verabreichen.
  • Momentaner Impfstoff ist für mobiles Verabreichen ungeeignet. Warum die 82-jährige Oma oder der pflegebedürftige Vater nicht von mobilen Teams zuhause geimpft werden können, fragen sich momentan viele Menschen. Die Ursache liegt laut Notruf-NÖ-Sprecher in der Beschaffenheit des Impfstoffs: Dieser darf, wenn er aufgetaut ist, nicht mehr bewegt werden. "Gerade einmal vom Tisch bis zum Oberarm", erklärt er. Außerdem ist beim Impfstoff von Biontech/Pfizer Schnelligkeit gefragt: Laut Hersteller ist er rund 120 Stunden haltbar. Zieht man den Tag für die Lieferung ab, bleiben etwa vier Tage, an denen er verabreicht werden kann.