„Eine Herbst-Welle ist nichts Ungewöhnliches“

Erstellt am 11. September 2023 | 17:01
Lesezeit: 3 Min
PG "ABWASSER-ANALYSE F†R SICHERE SCHULEN": KL€RANLAGE
In Niederösterreich geben 12 Kläranlagen Auskunft über die Viruslast im Abwasser.
Foto: APA/HERBERT-PFARRHOFER
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Laut Abwassermonitoring sinkt der Trend der Corona-Infektionen wieder. Höhere Fallzahlen im Herbst seien laut einem Experten allerdings wenig überraschend. Das Nationale Impfgremium empfiehlt vor allem Risikopersonen einer erneuten Infektion mit einer Impfung entgegenzuwirken.

Immer öfter heißt es aus dem Bekannten- und Verwandtenkreis, dass sich jemand wieder mit Corona infiziert hat. Die „klassischen“ Corona-Symptome wie Husten, Fieber oder Kopfschmerzen beunruhigen aber, im Gegensatz zu den letzten drei Jahren, nur wenige Menschen.

Seit 1. Juli 2023 ist Covid-19 nämlich keine anzeigepflichtige Krankheit mehr. Es gibt weder gesetzliche Regelungen noch die Möglichkeit, sich einfach so testen zu lassen. Gratis Corona-Tests stehen nur noch symptomatischen Patientinnen und Patienten beim Hausarzt zur Verfügung. Aus diesem Grund gibt es auch keine Aufzeichnungen, wie viele Menschen aktuell mit dem Virus infiziert sind. Allerdings lässt sich aus der Analyse des Abwassers (Abwassermonitoring) ein sogenannter Trendindikator ableiten. „Obwohl dieser Trendindikator zuletzt angestiegen ist, zeigen aktuelle Berechnungen, dass der Trend wieder sinkt. Zurzeit beobachten wir also eine Seitwärtsbewegung“, heißt es aus dem Büro von Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ).

Auch das „SARI-Dashboard“ trägt zur Einschätzung der Corona-Lage bei. Unter www.sari-dashboard.at gibt es einen Überblick, wie viele Menschen aufgrund schwerer Atemwegserkrankungen im Krankenhaus behandelt werden müssen. So wurden in der Woche zwischen 28. August und 3. September 15 Personen in NÖ aufgrund von Covid-19 auf einer Normalstation behandelt (Stand 3.9.)

Impfempfehlung: Eine Impfung im Herbst für Risikopersonen und über 60-Jährige

Epidemiologe Gerald Gartlehner sieht in der aktuellen Lage grundsätzlich keinen Grund zur Sorge. „Das Infektionsgeschehen steigt jetzt sicher wieder an, aber damit müssen wir lernen zu leben“, so Gartlehner. Eine Corona-Welle im Herbst werde, ähnlich wie eine Grippe-Welle, mit der Zeit zur Gewohnheit werden. Auch der persönliche Schutz vor einer Covid-Erkrankung werde zur jährlichen Routine werden, so Gartlehner. Bevölkerungsgruppen, die mehr aufpassen müssen, auch bei der Grippe, rät er persönliche Maßnahmen zu treffen wie eine Maske tragen, Abstandhalten und Händewaschen.

Das Nationale Impfgremium (NIG) veröffentlichte vor rund einer Woche den neuen Impfplan für Österreich. Auch die Impfempfehlung für Covid-19 wurde aufgrund aktueller Daten aktualisiert. „Es ist davon auszugehen, dass Kinder und Erwachsene ab dem vollendeten 5. Lebensjahr mit über 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit bereits Viruskontakt durch Impfung und/oder Infektion hatten“, heißt es im neuen Impfplan. Da die Grundimmunisierung gegen das Coronavirus in der Bevölkerung also mittlerweile weit verbreitet ist, beschränkt sich die Empfehlung des NIG auf eine Impfung im kommenden Herbst.

Corona-Impfung in Stuttgart
Jeder und jede kann sich im Herbst wieder eine Corona-Auffrischungsimpfung holen. Empfohlen wird es vor allem Risikopersonen sowie Menschen, die über 60 Jahre alt sind.
Foto: APA/dpa/Marijan Murat, Marijan Murat

Die Empfehlung gelte vor allem für Personen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf sowie über 60-Jährige ohne zusätzliche Risikofaktoren. Grundsätzlich können sich jedoch alle Personen, die ihren Schutzstatus wieder erhöhen möchten, im Herbst erneut gegen Covid-19 impfen lassen.